Westwindwelle über dem Glarnerland.

Einfacher Wellen-Einstieg: beim ‚Gartäbänggli der Leglerhütte‘.

Die heranrückende schwache Front hat heute zu auffrischendem Nordwest-Wind und einer deutlichen Labilisierung der alternden Hochdruck-Luft der letzten Tage geführt. Über den Glarner Alpen und dem schönsten Glarner – dem Tödi – stand eine prächtige Nordwest-Wind-Welle bis auf etwa 4’500 Meter hinauf.

Trotz Reithebuch & Co. noch immer der schönste Glarner: der Tödi – im gleissenden Licht der März-Sonne, für einmal von oben betrachtet.

Der Welleneinstieg war durch die feuchte Luft für einmal gut erkennbar. An den Kreten des Kärpf, am Hahnenstöckli und am Übergang vom Richetlipass an die Hausstock-Nordkrete staute sich die anströmende, feuchte Luft. Vom Schilt musste man deshalb bloss dem Relief nach zum Kärpf fliegen und die Nase immer leicht auf der westlichen Luvseite halten. Alle Kreten haben auf 2’300 Metern und darüber schön ruhig getragen. Vor der Leglerhütte war dann der Welleneinstieg zu finden. Ruhig, ohne Turbulenzen, problemlos. Am Milchspüeler-See konnte ich den Hängen entlang flitzen, in stetigem Steigen die Wolkenfetzen überklettern, dann an der zerfurchten und zusehends bergsturzgefährdeten Kärpfkrete entlang über den Gipfel wegkreisen und am Hausstock dasselbe Spiel wiederholen. Stets war das Steigen stabil und im Schnitt bei etwa 1.5 Meter / Sekunde. Diese Sportart ist einfach herrlich, wo kann man schon liegenderweise bergsteigen?

Kein Stress auf 119.22 MHz.

Sogar eine Freigabe habe ich heute auf der sonst ruhigen ZRH-Delta-Frequenz nach ein paar Minuten (man konnte fast schon hören, wie der arme Controller einen langen Gang entlang zum Chefbüro lief, um dort diesen Motor- und Transponder-losen Fall zu schildern) erhalten, um nahe an der Luftstrasse A9 am Ende bis auf 4’500 Meter zu steigen. Die Höhe der Freigabe hat für einmal mit der Höhe der Welle übereingestimmt.

Von oben ist man ja sowieso immer gescheiter, wie ein Wellen-System ausgelegt ist. Diesmal stand sie vom Tödi über den Pizol bis etwa an den Falknis. Irgendwann bin ich dann im Prättigau wieder unter die reichlich vorhandenen Wolken getaucht und via Klosters, Weissfluhjoch zur Lenzerheide und noch bis Andeer geflogen. Der Westwind war hier zunehmend stärker, die Gegenwind-Strecke nach Schänis bin ich vorsichtig angegangen, der Endanflugrechner hat unterwegs dann 30 km/h West ausgerechnet. Das reicht, um die ohnehin nicht gerade reichliche Thermik zu verreissen und ist etwas wenig, um eine klare Wellenstruktur zu schaffen. Die Aufwinde waren an den seltsamsten Orten zu finden, beispielsweise auf der Nordostseite der Krete zwischen Tschiertschen und der Lenzerheide. Vermutlich war’s reiner Hangwind aus dem Rheintal bei Chur.

The flying rabbit?

Der erste Flug nach einem langen Winter ist ja immer ein Test, ob alles noch so funktioniert, wie es soll (inkl. Pilot). Der braucht im Gegensatz zum Flugzeug allerdings mit zunehmendem Alter jedes Frühjahr etwas länger, um sich wieder an das Handwerk der Seglerei zu gewöhnen. Unserem handlichen Flieger haben der neu eingebaute Chüngel (Kaninchenfell in der Lüftung) und die abgedichteten Fahrwerksklappen jedoch nur gut getan – die ASW war noch nie so ruhig in der Luft – der reine Luxus 🙂

Es ist alles bereit, die Saison kann also nun ‚richtig‘ losgehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.