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Heisser GliderCup-Flugtag auf der Prättigauer Rennbahn

Samstag, 30. Juni 2012. Leichter Südwest, sommerliche Temperaturen über 30° und eine hohe Luftfeuchtigkeit sorgen diesmal für ziemlich heisse Flugbedingungen am fünften GliderCup-Flugtag. Wegen der auf den Abend vorhergesagten Gewitter aufgrund der explosiven Wetterbedingungen schreibt Konkurrenzleiter Markus von der Crone heute vorsichtig eine kurze Flugaufgabe aus: Durschlegi-Klosters-Sargans-Durschlegi. Am schnellsten flitzt Marc Angst um das flache Dreieck: er erreicht mit unserem ‚Rennhobel‘, der ASG-29 einen Durchschnitt von fast 130 km/h.

Soviele gute fliegbare Tage wie dieses Jahr hatten wir in den bisherigen vier Jahren GliderCup selten. Auch am Samstag, 30. Juni herrschten wieder einwandfreie Flugbedingungen. Etwas Südwest. Sehr heisse Temperaturen. Viel Luftfeuchtigkeit. Wer am Ende das Wettergeschehen dominierte, war am Morgen beim Ausschreiben der Flugaufgabe die grosse Frage: der Südwind oder die gewittrige Luft? Gewonnen hat mindestens in unserer Region für einmal der Südwestwind. Er hat die Luft abgetrocknet und die drohende Explosion der Luftmasse verhindert, obwohl es zum Zeitpunkt der abendlichen Landungen über der Region oberer Zürichsee innert einer halben Stunde bedenklich ‚einschwärzte‘ und zu einem blitzschnellen Einräumen und Versorgen unserer kostbaren Spielzeuge geführt hat.

Elegant, schnell, geradeaus.

Marc Angst hat uns allen an diesem Tag gezeigt, wie’s ohne den geringsten Schweisstropfen und super-elegant geht: den Südwest-Wind nutzen, um praktisch ohne einen Kreis den Kreten der Churfisten, des Alvier-Plateaus und des Rhätikons ins hinterste Prättigau zu flitzen. Die Flughöhe so wählen, dass man nicht zeitraubend und mit höherem Risiko unter den Kreten achtern muss. Geradeaus, geradeaus und nochmals geradeaus fliegen und die dabei mit präzis gewähltem Speed die Höhe geschickt verwalten. Resultat: 124 Kilometer mit einem Durchschnitt von fast 130 km/h! Marc ist ein gutes Beispiel, wie der GliderCup das fliegerische KnowHow der erfahrenen Piloten auf den Nachwuchs verteilt. Freude macht mir auch jedes Mal unser Materialwart Ferdi Jud. Er zählt zu den sichersten GliderCup-Werten: kommt jedes Mal ohne Schpergamänter um die Flugaufgabe herum und fliegt Strecken, die ihm noch vor drei Jahren wohl nicht einmal im Traum eingefallen wären.

Jung gebliebener, aktiver OCS.

Den gemütlichen Flugtag (neuerdings angereichert mit Besuchen in unserem Wellnessbereich, dem kleinen Pool) rundete unser Oldtimer-Club ab. Er führte gleichentags seinen Flugtag und den Oltimer-Abend durch, bei dem wir Gastrecht genossen. Danke für den Apéro, den feinen Znacht und die nette Bewirtung – und wie immer allen Helfern, Fluglehrern und Streckenfüchsen für die tatkräftige Mithilfe und die lockere Atmosphäre.

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Auf der Segelflieger-Autobahn durchs Inntal

Bisher längste GliderCup-Aufgabe.
Vierter GliderCup-Flugtag, Samstag, 16. Juni 2012

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Wieder machen heute 20 Teilnehmer am GliderCup mit und profitieren von besten Segelflug-Bedingungen über den Ostalpen und einer perfekt ausgeschriebenen Flugaufgabe von Urs Isler nach Innsbruck und zurück. Die bisher längste GliderCup-Aufgabe meistern die Schnellsten in einem engen Speed-Bereich zwischen 95 und 100 km/h. Die längste Anreise zum GliderCup hat Fritz Stingelin auf sich genommen, er ist extra für diesen Flugtag aus Istanbul angereist. Den spätesten Start macht Renato Späni, der erst um halb Vier losfliegen kann, in Innsbruck um 17.15 Uhr wendet – und die Aufgabe auch noch souverän vollendet. Den kuriosesten Flugweg wählt die Crew von HB-3415, welche offenbar wegen Sauerstoffmangels oder vielleicht einem flächendeckenden, kurzzeitigen ‚Software-Fehler‘ die zweite Wende bei Stuben schlicht und einfach ‚vergisst‘, einer alten Gewohnheit und den schönsten Wolken folgt und über das Paznaun nach Hause fliegt, statt die Wende auf dem Arlbergpass noch ‚en passant‘ mitzunehmen… Sachegits! Den längsten Aufenthalt im Swimming-Pool legen Peter und Armin hin. Sie lassen sich eine Stunde lang abkühlen und aufweichen, bis Ihnen die Krämpfe in die Beine schiessen. Arcus-fliegen muss doch strenger sein als man denkt.

Allen hat’s den zufriedenen Gesichtern am Abend zufolge offenbar wieder Spass gemacht, neue Fluggebiete sind erschlossen worden, neue Erkenntnisse über das Fliegen und das Leben drumherum konnten gewonnen werden – es war ein fliegerischer Festtag – danke für’s Mithelfen und Organisieren.

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Erlebnisbericht von Ruedi Gysin
Glider Cup 2012, Samstag 16.6.2012

Eine wiederum stattliche Schar Glider Cup Piloten treffen sich um 09:45 Minuten zum Vorbriefing. Zuerst müssen (für einmal) mangels genügender Zahl Fluglehrer weitere Streckencoaches angeworben werden. Mit Reto Frei und Renato Späni kann das Team ergänzt werden. Für die 6 Doppelsitzer melden sich 11 Piloten, die Dosi fliegen wollen. Ein hartes Ausscheidungsverfahren wird lanciert. Schnell fällt der Entscheid, dass die Piloten eine Chance bekommen, welche dieses Jahr noch nicht im Glider Cup Dosi fliegen konnten. Das heisst auch für mich; heute Dosi. Super! Schon sind vier Sitze besetzt. Für die Restlichen soll nun das Los herhalten. So werden schnell alle Plätze besetzt. Auch die Discus 2 sind überbelegt. Hier können die ASW und ASG aushelfen. Ernst Willi stellt sich mir als Coach zur Verfügung, was mich sehr freut, waren wir doch schon letztes Jahr einmal ein gutes Team. Der Tag wird aber noch eine grosse Überraschung bringen.

Wir sind als eines der ersten Flugzeuge bereit zum Start. Leider will aber das Schleppflugzeug wegen einem offensichtlich starken Husten nicht so recht und zwingt mich noch am Boden zum klinken. Tja nun denn halt. Duo X wieder zurück schieben und nun finden wir uns ganz hinten eingereiht. Nebeneffekt: Wir werden voraussichtlich zur ursprünglichen Wunschzeit starten.

Wieder erteile ich vor dem Start den Schleppauftrag; Federi 2400m. Schnell ist dank Turbinen Bravo der Punkt erreicht. Bin noch am überlegen, wo soll ich nochmals 200m machen, kommt das Kommando von Ernst: Losfliegen ohne Umwege. Das mache ich denn auch und Ernst leitet mich (er hat die Movingmap auf dem Pocket Loox bei sich) pfeifengerade durch den Startzylinder. Von da fliegen wir direkt an die Churfirsten, in der Hoffnung dass die Krete was bringt. Leider ist dem nicht so. Am Gamserrugg soll ich näher an die Felsen, da nun doch etwas spürbar ist. Weil der Duo X doch etwas grösser ist als meine zierliche Libelle habe ich das Gefühl, ich kratze schon den Felsen, was natürlich völlige Einbildung ist. So bitte ich Ernst, mal kurz zu übernehmen. Whow, so breit ist der Riesenvogel nun doch nicht. Es geht bedeutend näher als ich gedacht hatte. Tatsächlich; es geht ab, und wie. Schnell haben wir 2600m Höhe erreicht und ich übernehme zur Talquerung. Diese wird heute viel früher gemacht als ich mich das gewohnt bin. Rechts von den drei Schwestern soll uns der nächste Lift erwarten. Pustekuchen. Da steht er nicht und am Ausweichort auch nicht. Weiter nach Malbun. Endlich tut sich was. Mühsam und mit wenig Konstanz geht es in die Höhe. Wird auch Zeit. Nur noch 2100m offenbart der Zeiger des Höhenmessers. Die Plackerei lohnt sich. Wir finden uns auf 3000m wieder und ab geht es Richtung praktisch geradeaus via Zimba zum Itonskopf. Bis hier durfte ich keinen Kreis machen. Jetzt hat Ernst Erbarmen mit mir. Bin ich es mich doch von meiner Libelle nicht gewohnt, so lange Strecken ohne Kreis zu fliegen und sehe mich deshalb gewohnheitsmässig schon mal im Tal unten nach möglichen Wiesen um. Heitere Begg, warum sind die denn noch so weit entfernt? Ein Blick auf den Höhenmesser klärt mich auf: Wir befinden uns immer noch auf sagenhaften 2650m. Unglaublich was so ein Duo X leistet. Ich freue mich an den Kreisen und erhalte bei 3300m von Ernst den Hinweis, es gebe noch mehr Gelegenheit zum Kreisen, ich soll die Radien in Geradeausflug wandeln. Nu dänn halt, Nase tief und Jet-mässig weg. Alles den Kreten entlang bis nach Stuben. Ich spüre was und drehe automatisch ein. Nach zwei Kreisen die Erkenntnis, dass nicht jeder 2 ,5 Meter dann auch wirklich funktioniert. Sofort wieder den Kreten entlang. Da geht wenigstens immer mal wieder was. Mit fast Überschall fliegen wir die Rennstrecke ab mit zwei wiederum mehr oder weniger vergeblichen Kreisversuchen.

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Bei Imst endlich eine gute Tankstelle. Mit bis zu 3,5m geht’s Richtung oben und wir befinden uns rasch auf komfortablen 3400m. Sauber geht’s weiter an die Mieminger. Da gleich nochmals nachtanken und weiter geht’s. Richtung Norden sehe ich den Walchensee, den ich am Pfingstsonntag zweimal überflogen hatte. Von Ernst bekomme ich nun die volle Narrenfreiheit und entscheide mich für die schönsten Wolken. Die führen in den Karwendel hinein. Hätte mich eigentlich daran erinnern müssen, dass mir an der Allgäuer Segelflugwoche von diesem Gelände abgeraten wurde. Es sei sehr unzuverlässig. Trifft auch voll zu. Krampfhaft versuche ich am hohen Gleirsch ein paar Meter zu machen. Mehr als ein Nuller schaut dabei nicht heraus und so sieht bestimmt auch mein Gesicht aus (eine fragende Null). Ernst erlöst mich mit dem Hinweis; wir sind auf Höhe Seegrube und die Höhe reicht auch, wenn wir jetzt direkt abfliegen. Sauber führt Ernst über die noch am besten tragenden Grate auf die Südseite Nordkette und dirigiert mitten durch den Wendepunkt Seegrube. Verrückt! Wie kann ein Ort in der Felswand den Namen Seegrube tragen. Gerade mal 1h 43min sind wir seit dem klinken unterwegs. Super genial.

Jetzt aber hü und auf den Rückweg. Die Erlspitze bei Zirl gibt was her. Wenn auch nicht gerade viele Meter, aber doch Zeit, um sich mal umzuschauen. Boah heh, krass was da über dem Tschirgant steht. Die Mega-Schlauch-Wolke. Nichts wie ab und dahin. Auch wenn wir tief ankommen, das Ding hat mindestens 4m drauf. So ist es denn auch. Zwei Kreise und das Zentrum ist gefunden. Von 2300m geht’s mit bis zu 5m im Nu auf fast 3700m. Via kurzem nachtanken am Venet und einmal bitte Volltanken am Seekopf geht’s flott weiter das Paznauntal hoch Richtung Galtür und ohne Zwischenhalt via Silvretta, Montafon, Sulzfluh, Drusenfluh, Naafkopf und STOPP. War da nicht was? Himmel Schtärnefüfi nomal. War da nicht ein zweiter Wendepunkt? Aber klaro. Der liegt weit hinter uns am Arlberg. Zurück oder nicht?

Wir entscheiden uns gemeinsam, den nicht zurück zu fliegen und uns einfach noch einen fliegerisch schönen Abschluss zu gönnen. Also weiter mit der Rheintalquerung an die Churfirsten zum Alvier wo die nächste Tankstelle wartet. Wohin nun? Das Glarnerland lockt. Gerne möchte ich dem Tödi mal einen Besuch machen. Über dem Weisstannental steht ein toller Schlauch. Reinhängen und los geht es. Auf einmal von hinten die Mitteilung: Wir haben Besuch. Wirklich, ein Steinadler kreist mit uns. Ein zweiter gesellt sich dazu und kurz darauf sind es deren drei. Ein sensationelles Erlebnis! Wären wir noch einmal an den Arlberg zurück, hätten wir das nicht erlebt. Hammermässig.

Bei Schwanden gibt der Chärpf uns wieder Auftrieb und das Ziel Tödi rückt näher. Vorbei an der Grossbaustelle Linth-Limmern (kaum vorstellbar eine solche Baustelle hoch in den Bergen) zum heute „Behüteten“ , für mich schönsten Berg der Welt. Ein Traum geht in Erfüllung. Schon in jungen Jahren wollte ich einmal mit dem Segelflugzeug dieser Schönheit einen Besuch abstatten und heute ist es soweit. Zurück, wieder die tragende Linie der Kreten nutzend, fliegen wir Richtung Glarus und dort scharf links via Auernalp bis zum Hoch Ybrig. Da entscheiden wir uns zum Heimflug. Mit der Landung in Schänis geht der bisher schönste Segelflugtag in meinem Leben zu Ende. Herzlichen Dank Ernst und ebensolchen Dank der SG Lägern, die uns so tolles Flugmaterial zur Verfügung stellt.

Ruedi Gysin, (Libellen Ruedi)

Tiroler Weekend

Skigebiete-Tournee.

An diesem Weekend wird ganz Tirol mit Flugbahnen dicht überzogen.

Freitag, 15. Juni 2012. Trotz eines zu frühen Startes und einer deshalb nötigen, längeren Zwischenlandung in Schänis kann ich am Freitag vor dem GliderCup doch noch einen schönen Flug ins Pitztal machen. Bei der Gelegenheit lassen sich wieder einmal die grossen Tiroler Skistationen der Reihe nach besuchen: Sölden im Ötztal, Tieflehn im Pitzal und das Kaunertal mit dem Gepatsch-Stausee. Auf der Reise dahin kontrollieren wir auch noch die inzwischen aperen Ski-Autobahnen von Ischgl-Samnaun, Fiss-Ladis und Serfaus.

Die Wolkenbasis ist für einmal dermassen hoch (fast 4’000 Meter), dass man weit über Tirols Gletscherwelt bequem über den höchsten Gipfeln kreisen kann. Was für ein Privileg, diesen Sport ausüben zu können! Der Heimflug geht trotz des Südwestwindes, der die Aufwinde leicht häckselt und versetzt, problemlos quer durch das Unter-Engadin und den Schweizer Nationalpark, das ganze Bündnerland und zum Abschluss natürlich noch an den schönsten Glarner, den Tödi sowie die gewaltige 2-Milliarden-Baustelle der Kraftwerke Linth-Limmern. Also quer durch die schönsten Regionen der Schweiz 🙂  Ein Festtag mit und in der ASW-20-B, die ohne Wasser in den Flächen steigt wie ein Papier-Flugdrache!

Hier noch die (OLC-)Details zum Flug.

Und hier der Link auf die Foto-Galerie.

Viele TeilnehmerInnen trotz magerer Warmluft Prognose

GliderCup-Flugtag vom 2. Juni 2012

Trotz mässiger Segelflug-Wetterprognose findet sich 15 Minuten vor dem regulären Startbriefing und der Flugzeugverteilung zum frisch eingeführten GliderCup-Briefing 20 TeilnehmerInnen ein. Das dürfte eine der höchsten bisherigen Teilnehmer-Zahlen sein und ist für das OK ein willkommener ‚Aufsteller‘. Und für unseren versierten Flugzeug-Verteiler Beat Straub ist das später eine Herausforderung bei der Zuteilung der verfügbaren Doppel-Sitzerplätze und Fluglehrer, die er bravourös meistert.

Wenig Thermik-Indikatoren am heutigen GliderCup-Flugtag.

Nach längerer Diskussion entschliessen sich Markus von der Crone und ich für die ‚Flugaufgabe Nummer 21‘. Diese etwas bürokratische Bezeichnung steht für ein interessantes 150-km-Dreieck mit Start- und Zielort Durschlegi sowie den beiden Wendeorten ‚Schweizertor‘ und ‚Lenzerheide‘. Diese Aufgabe enthält die Talquerung über das Rheintal, einen häufig nicht ganz leichten Aufgabenteil durch das oft stabile Churer Rheintal und einen langen Endanflug zurück über das Seeztal und den Walensee.

Knifflige Wetterlage, Herausforderung Warmluft.

Wichtigstes Argument für die getroffene Wahl ist die kurze, der Wetter-Situation und dem Trainingsstand vieler Teilnehmer entsprechende Flugaufgabe. Auch der Flugplatz in der Mitte des Dreiecks, welches die benötigten Talquerungen mit einer sicheren Landemöglichkeit in der Aufgaben-Mitte entschärft, sind die Argumente für die gewählte Aufgabe. Auch die Chance auf eine ‚zweite Runde‘ spielt beim Entscheid mit. Gegen eine Strecke im Mittelland sprechen der dort stärkere Westwind sowie die Warmluft-Advektion des kurzen, aufbauenden Zwischenhochs. Das zeigt sich in der stabilen Sonde aus Payerne.

Offene Waschküchen-Tür.

Der spät erwartete Thermik-Auslöse-Moment erlaubt ein ausgedehntes zweites ‚Frühstück‘ in der Flugplatzbeiz, die ersten Starts passieren nach dem Mittag. Lange getraut man sich kaum, nach Süden zu blicken, aus dem Oberseetal strömt der Dampf wie aus der offenen Kellertür einer Waschküche. Auch die Höhe dieses ‚Dampfes‘ ist wenig erbaulich – maximal 1’400 Meter! Eigentlich ein idealer Tag zum Fischen, Biken oder für die Gartenarbeit, die Flugaufgabe scheint illusorisch. Skeptisch machen wir es uns trotzdem im Doppelsitzer bequem.

Prognose trifft.

Im Verlauf des Flugtages zeigt sich, wie genau die Prognose der stabilen Verhältnisse stimmt. Die Aufgabe kann zwar dank vorsichtigen Vorfliegens von zahlreichen Piloten gut abgeflogen werden, die Aufwinde sind allerdings überwiegend schwach, eng, schwierig zu finden, kurzlebig und obendrein wegen der 20 km/ Westwind-Versatzes auch meistens nicht dort, wo die wenigen Flusen am blauen Himmel hängen. Das führt dann auch zu der einen oder anderen Aussenlandung in Bad Ragaz. Der taktische Spielraum ist gering, wenn an den wichtigen Stellen der Aufwind gerade eine Pause einlegt, reicht es oft nicht mehr für den Anschluss an den nächsten Streckenteil. Wenn man allerdings einmal den Sprung ins Prättigau geschafft hat, tragen die Aufwinde auf der Ostseite des Vilan hoch genug, um den zweiten Schenkel der Aufgabe in Angriff zu nehmen. Interessant ist dabei, welche gewählte Strecke am Ende schneller ist: der kleine, aber visuell zuverlässigere Umweg über Klosters-Weissfluh-Gipfel-Arosa oder der direkte Flug durch’s blaue Loch des Churer Rheintales von der Sassauna an die Südseite des Hochwang und weiter zur zweiten Wende auf der Lenzerheide.

Leider keine zweite Runde.

Die Hoffnung auf eine vollständige zweite Runde erfüllt sich im Laufe des Nachmittages leider nicht. Die erste Umrundung hat etwas zuviel Zeit benötigt und zu früh sorgt die einfliessende Warmluft auch noch für ein vollständiges Abstellen der Thermik. Für einen regionalen Flug reicht es trotzdem in den meisten Fällen. Wir versuchen, bei den nächsten GliderCup-Tagen darauf Rücksicht zu nehmen und die heute ‚zu-kurz-Gekommenen‘ nach Möglichkeit im weiteren Verlauf des GliderCups 2012 zum Fliegen zu bringen.

Gemütlicher Ausklang.

Diesmal können wir wegen der etwas zu geringen Anzahl Anmeldungen zum Nachtessen die gewohnte und geschätzte ‚Nachlese‘ der verschiedenen erfolgreichen oder weniger erfolgreichen Flug-Strategien leider nicht in der Werkstatt-Beiz mit Beamer und Kurz-Kommentaren durchführen, tauschen uns aber immerhin bei einem gemütlichen Nachtessen über das Erlebte aus – es wird auch so wieder für manche fast Mitternacht, bis sie den Heimweg finden 🙂

Für nächstes Mal überlegen wir uns als Verbesserungs-Möglichkeit eine freiwilige, kurze, dafür mit einem Apéro kombinierte Debriefing-Variante um ca. 19.00 Uhr im Theorie-Raum, sollte die nötige Nachtesser-Anzahl auch dann nicht erreicht werden. Die erwähnte ‚Nachlese‘ erzielt immer interessante Lerneffekte und wäre auf jeden Fall spannend.

Danke allen, die mit umsichtigem Fliegen trotz schwieriger Verhältnisse einen sicheren Flugtag an einem nicht besonders guten Segelflug-Tag ermöglicht haben. Und allen, die wie selbstverständlich beim Organisieren mithelfen. Wir freuen uns schon auf den nächsten GliderCup-Flugtag.

Hier ist die von Armin Müller erstellte Rangliste des Flugtages:

Da derzeit Roland Hürlimann und Fridli Jacober beide in den Ferien sind, kann es einen Moment dauern, bis die defitive Gesamtrangliste aktualisiert und die GliderCup-Website nachgeführt ist – ich danke für’s Verständnis.

Link auf alle fliegerischen Details, die Meteo, Fotos vom Flug usw.

Bitumen-Flug nach Bormio.

Gemessen an den Vorbereitungen hätte der Donnerstag, 10. Mai 2012 ein Tag der Weitschüsse werden sollen. Da werden Flächen mit Wasser aufgefüllt. Vorderkanten nochmals poliert. Der Mückenputzer überprüft. Wendepunkte bis zuletzt optimiert. Die Wetterprognose verspricht solide Segelflug-Bedingungen über den Alpen, Baishöhen bis an die Grenze des Erlaubten (geschützte Luftwaffen-Werkstatt). Die Startreihe wird in Schänis länger und länger, gleich wie die Flugvorhaben der Piloten in der Wartelinie.

Stutzig macht mich am Morgen in der Wetterprognose nur jener Satz mit der ‚einfliessenden Warmluft aus Südwesten‘. Die Folgen davon sind im Segelflieger gut spürbar. Die Aufwinde haben ‚keinen Zug‘. Man hat den Eindruck, die aufsteigende Luft bleibe im Leim stecken. Einmal zentrierte Thermik ‚verschwindet‘ nach einigen Kreisen irgendwohin (ich muss zwar zugeben, dass mir das auch ohne Warmluft-Advektion passiert 🙂

Zähflüssig wie Bitumen.

So fühlen sich die Bedingungen dann auch an. Noch bevor ich endlich in die Luft komme, fallen die ersten erfahrenen Piloten wieder auf den Boden. Hmmh – ob das Wasserfüllen vielleicht falsch war? Nach dem Klinken und dem ‚eindrehen‘ in den ersten ‚Aufwind‘ habe ich die Hand bereits am Wasserhahn und schon eine Viertelstunde später auf ‚ablassen‘ umgestellt. Nur mit viel Mühe kann ich mich im hintersten Toggenburg in einen Aufwind einhängen, der mich vor dem Absaufen rettet. Beim Weiterflug bleibe ich am Triesenberg gleich nochmals auf den Kreten unten sitzen. Auch hier ist der Durchmesser der Aufwinde vielleichtg für Schwalben ideal, für mich ist er viel zu eng, ich komme selbst mit dem leeren, leichten Flieger nicht nach oben. Die Lande-Informationen und die Frequenz von Bad Ragaz rücken auf dem PDA in die oberste Position. Der kürzeste Weg dahin führt über die Ostseite des Rheintals, via St.-Luzisteig. An den senkrechten Felswänden (!) meldet die Elektronik plötzlich auf noch 1’400 Metern unten wieder Steigwerte. So turne ich in wilden Achterkurven wie im Luftkampf die senkrechte Wand hoch. Offenbar weht hier ein an die aktuellen Bedingungen auf dem dortigen Finanzplatz angepasster, etwas ruppiger liechtensteinischer Talwind. Er trägt mich aber immerhin genau bis auf den ersten Grat. Weiter geht’s noch nicht. Rettung vor der Aussenlandung in Ragaz bringt dann die westlichste, ins Tal hinaus stehende Felsrippe des Falknis. Auch hier pfeift der Talwind durch und zusammen mit dem gut eingestrahlten Geländekessel über der Luzisteig kann ich in einem turbulenten Aufwind mit viel Querlage zusammen mit einem Adler (auch die üben offenbar manchmal, bis sie wegkommen) erstmals auf eine vernünftige Höhe steigen und ins Prättigau einfliegen.

Trotz Milchglas ins Tal der Bären.

Der Tag ist streckenmässig gelaufen. Mein Vorhaben (Achensee-Ortler) ausser Reichweite. Der Flieger ohne Wasser, die Uhr steht schon auf Zwei. Wenn ich die Übung schon abbreche, dann möchte ich immerhin einen schönen Flug ins Bündnerland machen und taste mich gemütlich(er) ins hinterste Prättigau. Über meinen Schleichweg an den Platta-Hörnern vorbei nach Sagliains ins Land des Bären mit dem seltsamen Namen ‚M13‘ und seinen Kameraden und dann weiter an die Nuna. Da werden zwar feine Steigwerte produziert, Sorgen macht nun aber eine Cirren-Schicht, die über mir eingeschoben wird und das Sonnenlicht spürbar dämpft. Dieses Milchglas verfolgt mich dann bis nach Bormio hinunter. Die Aufwinde sind wieder fast gar nicht zu treffen, wenn man mal einen erwischt hat, ist er auch gleich wieder weg (auch wenn ich sauber kreise). Am Ortler stehe ich auf die Bremse, stelle den Blinker links und fahre via Stilfserjoch und Martina wieder an den Ofenpass zurück.

Foto: Frigg Hauser, aus seinem Ventus ‚H‘ über dem Stilfserjoch

Frigg Hauser ist ins Veltlin hinunter gestochen und meldet von dort tolle Bedingungen, Wolkenstrassen und Dergleichen. Über der imposten Steilwand von Bormio an den Ortler habe ich einen guten Überblick nach Südwesten. Das mit den Wolkenstrasse stimmt sicherlich, das ganze Bündnerland ist aber staubtrocken, blau, nicht die Spur von Aufwinden mit Cumulus-Wülchli drüber. Und die Feuchtigkeit, die von Süden an den Alpenbogen gestaut wird, liegt in den Urner Alpen fast auf dem Gelände auf. Ich beschliesse, ‚H‘ nicht zu folgen, weil mir das Risiko eines Absaufers auf dem Heimweg zu hoch ist und anderntags etwa ein halbes Dutzend Termine in der Agenda stehen. Die kann ich nicht alle sausen lassen… Frigg mus denn auf dem Heimweg in Buochs auch einen Zwischenhalt einbauen, meine Einschätzung war in dem Fall wohl richtig. Man hätte höchstens nicht zuweit nach Westen fliegen und dann den gleichen Rückweg wählen können, angesichts der fortgeschrittenen Tageszeit und der Milchgläser aber auch kein einfaches Unterfangen.

Inzwischen ist die Abdeckung vom Bündner Tourismus-Verband wieder entfernt worden. Dafür haben die Verantwortlichen einen schönen Cumulus über den Bären im Nationalpark plaziert. Fein. Da kann ich so hoch steigen, dass ich schon fast nach Schänis gleiten könnte. Mache ich aber nicht. Jetzt, wo die Bedingungen endlich etwas schöner aussehen, wähle ich den Rückweg über Chur zurück ins Glarnerland.

Entflohene Werbe-Steinböcke?

Im Glarnerland habe ich Heimvorteil und finde sogar Aufwinde, wenn man sie nicht gerade sieht. Jenen am Saasberg in Linthal zum Beispiel. Der Wildhüter und Tierfotograf Marco Banzer mag es zwar nicht besonders, wenn man da über seinen Schützlingen tief kreist. Ich gebe mir also Mühe, hoch einzufliegen und über den aperen Pörtern die Thermik zu zentrieren. Mitten auf einem Schneefeld stehen dann tatsächlich unbeweglich wie die Denkmäler die beiden Bündner Werbe-Steinböcke Gian & Giachen (stelle ich mir wenigstens vor). Sie schauen dem Treiben dieses modernen Störefrieds zu.

Schauen dem bunten Treiben in der Luft gelassen zu: Gian & Giachen von Graubünden Tourismus. Derzeit als Entwicklungshelfer im karitativen Dienst von Glarnerland Tourismus.

Ich höre schon, wie Gian zu Giachen in breitestem Bündner Dialekt sagt:

„Hesch ghöört – im Unterland heiendsi ietz äsoo moderni Plastigg-Vööögel. Mit denä khönnendi die bleichä n’Unterläänder a da schöööne Täääg sogäär ohni Auto oder Isäbaaahn nur mit dr Sunnä in ds Bündnerlaand zu üüss uffä reisä und d’Sunnä gnüüsa – gschpunnä, nit“? – „Joh, Gschpunnä – aber schaad, dass diä in ihrem Stress jo gäär a khai Zit zum Ikheere hen…“

Wie genau die Diskussion der beiden Werbe-Ikonen verlaufen ist, weiss ich natürlich auch nicht, aber etwas in der Art dürfte es gewesen sein. Meine beiden wackeren Steinböcke lassen sich auf jeden Fall nicht aus der Ruhe bringen und stehen unbeweglich mitten in einem riesigen Schneefeld. Den Flug schliesse ich mit einer Runde über dem noch meterhoch mit Schee bedeckten Klausenpass ab, um danach in die erstaunlich warme Luft in der Linthebene einzutauchen. Schön war’s – auch trotz (oder vielleicht wegen) der mühsamen Warmluft-Advektion, die letztlich den gemütlichen Rundflug durch das Land von ‚Graubünden Tourismus‘ verursacht hat.

OLC-Flugdaten mit allen Auf- und Abwinden im Detail.

Formel-1-Rennen in den Alpen.

Freitag, 15. Juli 2011. Teil 3 von „RM aus dem Cockpit“.

Speed-Racing

Aufgrund der Wettervorhersagen dürfte es sich am Dienstag, den 12. Juli um den mutmasslich letzten Flugtag der RM handeln. Danach bricht wieder der Monsun über uns herein. Davor wird eine schwache Südwest-Lage für ein richtiges Alpenflug-Rennen sorgen.

Peter Schmid machte diese Aufnahme bei Monbiel, kurz vor dem Engadin-Abenteuer.

Mit dieser Ausgangslage von Meteomann Dave Brägger im Kopf, dem wir inzwischen aufgrund seiner präzisen Prognosen der letzten Flugtage fast alles glauben, starten wir als erster Flieger unserer Klasse. Ein Erkundungs-/Konturenflug den Churfirsten entlang bestätigt meine Vermutung. Alle Südwestkreten tragen dynamisch. Haa, das wird ein Spass!

Graduus, graduus, graduus….

Also parkieren wir erst mal in der Wartebox in einem nicht recht zentrierbaren Wolkenfetzen-Ufwindli über Walenstadt, bis das Formel-1-Rennen startet. Wir machen uns wieder früh auf den Weg über die 270 km lange Strecke nach Nauders und Brigels. Die Vorfreude auf ein spannendes Rennen dringt durch alle Ritzen. Wie ein Pfeil rasen wir nach Querung der Startlinie an der Durschlegi (da hat der Marc immer einen anderen geometrischen Winkel im Kopf als ich…) den Hängen der Churfirsten entlang, bauen am Sichelchamm die minimale Querungs-Höhe ins Prättigau auf und machen drüben knapp über der Krete angekommen dasselbe Spiel weiter. Schesaplana, Drusen-und Sulzfluh und die Madrisa ziehen in rascher Folge am linken Flügelspitz vorbei. Nach kaum einer halben Stunde sind wir über Monbiel östlich von Klosters auf 3’000 Metern. Bis hierher ging’s fast kreislos. Wir sind gut im Rennen. Müssen wir auch, ich weiss inzwischen, wie der Frigg durch die Alpen rast. Da müssen wir alles geben. Das Rennfieber steigt.

Wie in den französischen Alpen.

Das nächste Ziel rückt näher: sauber ins Engadin einfädeln. Da werden heute zwei Möglichkeiten offeriert. Direkt auf Kurs, hinter dem Linard durch. Das wird kaum ohne Abwinde zu machen sein. Peter Schmid, der uns im Arcus seit dem Walensee auf den Fersen ist, wählt diese Variante. Anfangs finde ich das auch eine gute Idee. Beim ersten kräftigen Downwash wechsle ich aber meinen gewohnten Schleichweg ins Engadin über die Plattenhörner an den Linard auf die Südostseite bei Sagliains (Verladeterminal), wo uns ein satter Viermeter-Aufwind in Kürze über den Gipfel hinaus trägt. Boahh, ist das schön hier oben! Das fühlt sich ja an wie Südfrankreich. Optimismus macht sich breit. Die erste Wende in Nauders ist in Sichtweite. Und die Nordseite des Engadins ist verziert von einem satten Band von Cumulus-Wolken. Aber: der Peter war schneller! Er zieht links unter uns weg, ca. 10 km voraus. „Das hat man halt davon, wenn man Umwege fliegt…“ meint er am Funk.

Na, dann drücken wir auch ein wenig auf’s Gas! Mit einem Speed zwischen 150 und 200 km/h rasen wir das Unterengadin hinab. Die Wolkenbasis sinkt leicht ab. Damit hätten wir am Linard eigentlich gar nicht so hoch steigen müssen. Aber schön war’s eben schon.

Dummheit wird sofort bestraft.

Im Segelfliegen werden Entscheide unmittelbar in Konsequenzen verwandelt. Auch diesmal. Ich drücke auf’s Tempo, wir umrunden mit unserer Luxushöhe Nauders im Nu. Auf dem Rückweg an die Nordkrete haben wir den Peter im Arcus wieder überholt. Aber zum Preis von etwa 300 Metern geringerer Höhe. Er fliegt vorsichtiger und schaltet offenbar einen Gang zurück.

Mein Plan wäre, auf der Nordseite haarscharf über die Krete einzufädeln, dieser tief entlang nach Westen zu flitzen und weiter westlich, wo Wind und Sonne an einer tieferen Krete zusammen wirken, in den kräftigstmöglichen Aufwind einzufädeln. Da müssten doch 4 Meter zu holen sein. Mit diesem Plan im Kopf fliege ich mehrmals tief im Gelände ziemlich übermütig durch Zwei-Meter-Aufwindgebiete hindurch und drücke auf den Speed. Mir dämmert noch immer nicht in vollem Ausmass, dass im Unter-Engadin der Südwest zu einem starken Bergwind kanalisiert wird. Die Thermik zerreist. Über die Kreten fegt und wie am Grand-Bérard in Südfrankreich (meiner Meinung nach deswegen einer der gefährlichsten Thermikberge) die satten Lee-Aufwind zerhackt.

Schöne Aussichten in Richtung Unterengadin. 

Klare Entscheide sind gefragt.

Dann kommt’s ganz dick. Dort, wo mein phantastischer 4-Meter-Aufwind sein sollte, ist nichts. Stille auf dem Vario. Und im Cockpit. Jaheimatschottlandnuchemal. Das gibt’s doch gar nicht. Mir sausen etwa 17 Themen gleichzeitig durch den Kopf. Unser schöner bisheriger Durchschnitt. Die Thermik-Situation. Der Wind. Die Sonne. Warum ich vorhin nicht eingedreht habe. Dann wären wir jetzt nämlich über den Kreten und hätten wesentlich bessere Optionen in der Hand.

Ich drehe tief über den Kreten nach links und rechts. Nix. Weiter hinaus ins Tal unter eine dicke Wolke. Davon hat’s zwar mehrere, aber ich weiss nicht, woher die genau kommen. Wieder nix. Diese dicken Dinger mag ich sowieso nicht! Jetzt sind zusehends ganz klare Entscheide gefragt. Wir sinken rasch. Peter zieht stolz im Arcus über uns weg nach Westen. Tja. Das war’s dann wohl mit dem schnellen Schnitt. Und inzwischen droht mit der Höhe, die wir noch haben, weit Schlimmeres. Am Ende eiern wir noch mit 2’000 Metern durch das enge Unterengadin.

Hier bringen die Aufwinde noch genau das, was sie auf den ersten Blick versprechen. 

Böser Hänger.

Also doch einen Versuch auf die andere Talseite wagen. Wenn die Nordseite im Lee ist, ist die Südseite im Luv. In einem engen, steilen Tal östlich von Schuls segle ich tief unter der Krete die Geröllhalden entlang. Es steigt zwar (vermutlich nur die eine Hälfe der Spannweite), wir brauchen aber etwas Kräftigeres, wenn wir mit dem schweren Tanker hier rasch wieder aufwärts wollen. Die angepeilte Geröll-Flanke verschwindet in den Wolkenschatten. Da wird die Thermik sofort noch weniger. Wo ist denn hier der „don’t-panic-button“? Also doch wieder hinaus ins Tal. Halt einfach irgendwohin, wo ich mir eine klare Thermik-Quelle vorstellen kann. Weg von diesem undefinierbaren Wolkenzeugs mitten in der Landschaft ohne erkennbaren Bezug zum tieferen Gelände.

und so sieht die GPS-Aufzeichnung des Besuchs im „unteren“ Engadin aus.

Nachmittags noch ins Thermalbad?
Schuls hat ein schönes Thermalbad, Wellness- und Kurhaus. Auch eine schöne Landewiese. Der Puls wird ruhiger. Es beginnt wieder klar zu denken. Wenn der Bergwind hier durchpfeift und die Sonne auf die nördlichen Matten des Engadins knallt, müsste doch jede querstehende Krete und jeder Waldrand Thermik ablösen. Sowas haben wir hier gerade vor der Nase. Bei Ramosch zielen wir auf die Geissgädeli an der Lärchenwald-Kante. Jetzt bewegt sich endlich etwas. Mit einem runden Meter beginnt unser Duo langsam zu steigen. Er versetzt dabei kräftig nach Osten. Aha. Das war’s also. Langsam wird das Ausmass meines übermütigen Fehlentscheides klarer. Kleine Ursache – grosse Wirkung.

Wie in den Theoriebüchern turnen wir nun einer langen Krete entlang aufwärts. Drehen immer wieder ein paar Kreise, um die nächste Geländestufe zu erklimmen. Irgendwann nach ewig langer Zeit sind wir im obersten Teil unter einem langen Hang mit Lawinenverbauungen. Zum Glück ohne Seile. Eng zieht der Duo dem Hang entlang in Achten nach oben. Langsam aber stetig. Irgendwann können wir eindrehen und sind wieder „back in business“. Heissä Sand, war das jetzt eine Übung. Nun aber bloss weg von hier.

Die anderen auch.

Während wir uns vom Schreck erholen, fährt gaaanz weit unten der Adrian Blum in seinem Duo ein. Boah, soweit unten in den Lawinenverbauungen möchte ich lieber nicht mehr sein! Auch der Beat Straub rauscht im Duo noch in unseren Aufwind, er muss noch nach Nauders. Ich bin gottäfroh, wenn wir endlich wieder die Nordseite anfliegen können.

Das klappt dann auch in einem unmöglich engen Aufwind im Piz Buin-Gebiet. Endlich können wir uns nördlich der Plattenhörner ins Prättigau fallen lassen. Und da stehen auf der Luvseite sofort wieder mehr als drei Meter auf dem Vario. Also, geht doch!

Der Snowboarderberg bringt’s.

Marc zentriert am Jakobshorn einen sackengen, aber starken Aufwind, der uns die Möglichkeit öffnet, direkt auf Kurs über das Stätzerhorn und die Lenzerheide an den Flimserstein zu fahren. Die Route über die südliche Talseite scheint uns etwas diffus. Peter Schmid kämpft sich da gerade durch und meldet einen kleineren Durchhänger am Piz Curvèr bei Savognin.

Wir nehmen deshalb in Kauf, dass wir am Flimserstein und Ringelspitz wieder die Kreten hinauf turnen müssen und nehmen uns diesmal etwas mehr Zeit, um in die obere Etage zu kommen. Brigels ist ja mit seiner Lage mitten im Tal und dem Rückweg an den Panixerpass sicher kein Spaziergang. Die Felslandschaft südlich der Sardona erinnert in ihrer Kahlheit an den Pic de Bure. Anfangs ist das Steigen ungenügend, aber sobald wir über die Höger kommen, können wir wieder aufdrehen.

Wie eine Gewehrkugel.

Der Rest läuft nach Plan. Vorsichtig holen wir die Wende mitten im Rheintal und ziehen gerade so schnell den Hängen entlang, dass wir uns sicher in die Schlucht beim Panixer fallen lassen können. Mit 150 Metern Reserve rauschen wir durch das Nadelöhr. Aus dem rechten Augenwinkel erscheint plötzlich – schnell wie eine Gewehrkugel – der Ventus von Frigg Hauser und taucht kopfüber in die Schlucht. Mein lieber Schieber – wir sind ja schon mit mehr als 200 km/h unterwegs! Frigg zischt durch das Sernftal und am Schilt vorbei nach Ziegelbrücke, wir einige Kilometer dahinter mit allem, was der Duo so hergibt. Das macht nun wieder wirklich Spass und wir ziehen mit Volldampf glücklich über die Ziellinie in Schänis, um sofort auf der Föhnpiste zu landen.

Bis auf den Fehlentscheid im Unterengadin lief alles spitzenmässig. Ohne diesen Absitzer, der eine halbe Stunde gekostet hat, wären wir mit einem ähnlich schnellen Speed rundherum gekommen wie der spätere Tages- und Wettbewerbssieger Frigg Hauser. Aber von ihm lassen wir uns gerne schlagen. Erstens, weil ich ihn schon seit Jahrzehnten gut kenne und zweitens, weil er zu den besten Grand-Prix-Piloten überhaupt gehört. Mehr war nicht drin gewesen – aber Spaaaassss hat es gemacht, und das nicht zu knapp!

In der Thermik-Badewanne.

 (Teil 2 von „Die Regionalmeisterschaft in Schänis im Cockpit“)

Kann man da überhaupt segelfliegen?

Süddeutschland ist sicher eine wunderbare Gegend. Vermutlich auch zum Segelfliegen, wenn man dort startet. Von Schänis aus hatte ich in der Vergangenheit überwiegend Schwierigkeiten damit, dahin und vor allem wieder von dort zurück zu kommen. Ich habe immer das Gefühl, im Zürcher Oberland in eine thermische Badewanne eintauchen zu müssen. Bei Singen dann den anderen Rand hinaufkraxeln zu dürfen. Und auf dem Heimweg die Geschichte rückwärts abzuwickeln. Mag ich nicht so, muss ich zugeben. Das beeindruckt natürlich unsere Wettbewerbsleitung nüdäsoo. Sie schickt uns am zweiten Wertungstage nach Tuttlingen in einen grossen AAT-Kreis. Das ist die Kurzfassung einer taktisch schwierigen Flug-Entscheidung, wann man spätestens umdrehen sollte. Auf dem Weg dahin sind ein paar Fallgruben geöffnet für alle, die den Luftraum um Zürich einen Moment lang aus den Augenwinkeln verlieren. Hueräkompliziert, diese TMA’s – am Boden geht’s ja noch, aber wenn man fliegt, wird’s schwierig damit.

Thermik kommt zu spät, hört aber früher auf.

Die Aufgabe wird durch ein nur kurz geöffnetes Meteo-Fenster etwas schwieriger. Wir starten erst nach drei Uhr. Das lässt wenig Spielraum, bis die Thermik einschläft. Mich zieht es also geistig schon beim Wegflug aus dem Zürcher Oberland wie an einem Gummiband gezogen wieder zurück nach Schänis. Aber wie Marc immer sagt: wir sind an einem Wettbewerb, also fliegen wir, solang es geht. Ich bin mit ihm während der Flugaufgaben meistens einer Meinung – ich habe auch den Vorteil von Veto- oder Senior-Rights, die ich nutze. Aber bei der Abflugplanung und den geometrischen Aufgaben beim Überqueren der Startlinie werden wir uns wohl nie einig. Trotzdem stürzen wir uns kopfüber ins Toggenburg. Ein Auge auf dem PDA und den Lufträumen, das zweite auf den anderen Flugzeugen, die um uns herumsurren. Und die anderen beiden suchen Thermik. Und Traubenzucker, wenn wir mal wieder einen Aufwind erwischen.

In der schwachen Thermik zwischen Toggenburg und Rhein.

Der Weg nach Frauenfeld geht ganz ordentlich vonstatten. Wenn man sich mal dran gewöhnt hat, dass hier die Aufwinde viel schwächer sind als in den Alpen. Bald einmal überwinden wir ein grosses blaues, aufwindfreies Band zwischen Frauenfeld und Stein am Rhein und rauschen auf der Nordseite des Rheins in einen kräftigen Aufwind, der den Anschluss an die schönen Wölchli über Süddeutschland bildet. Schon nach kurzer Zeit sind wir mitten in einer Blattere von anderen Segelflugzeugen, die mit uns steigen. Die vor uns liegende Strecke sieht toll aus. Wir drehen den Volumenregler nach rechts und geben Gas. Obwohl das Gelände hier deutlich ansteigt, haben wir wenig Mühe, in den starken Aufwinden rasch vorwärts zu kommen. Teilweise klettern wir mit deutlich mehr als zwei Metern pro Sekunde bis auf 2’000 Meter hinauf. Über einer Autobahnraststätte treffen wir auf Frigg Hauser, der mit seinem voll geladenen Ventus unter einer dicken Wolke aufwärts strebt. Das heisst, wir sind ja gar nicht so schlecht unterwegs…

Die Überreste des open-airs in Frauenfeld.

Geometrie-Aufgabe.

Marc sagt, wo wir hinfliegen. Nach Nordwesten in Richtung Feldberg. Das ist strategisch und geometrisch eine gute Richtung. Unter einer Wolkenstrasse geht es flott und sorglos weiter. Pünktlich nach der halben zur Verfügung stehenden Flugzeit fahren wir über einer Baumschule ein. Die mag ich besonders gern, da sammelt sich immer Warmluft am Boden, die entweicht dann schlagartig nach oben. Da drüber schwebt eine dicke schwarze Thermikwolke. Die zieht aber schlechter als erwartet. Nur mit maximal zwei, statt der erwarteten drei bis vier Meter pro Sekunde. Irgendwie bekomme ich es einfach nicht gebacken, hier schneller zu steigen. Passiert mir unter breit auseinander laufenden Wolken öfters. Da brauche ich mal Hilfe, wie man das richtig macht. Marc hat’s besser im Griff und zentriert über einem Steinbruch sauber bis auf über 2’000 Meter hinauf. Dann also nix wie heim jetzt.

Auweiha.

Wenn man sich umdreht, sieht plötzlich alles etwas anders aus. Im Raum Bodensee ist alles blau. Die letzten schönen Wolken sind in der Region von Singen. Da darf man noch hoch hinauf kreisen, danach ist ausser der fehlenden Thermik auch noch der Luftraum heruntergesetzt. Das wird wohl etwas schwierig. Süferli schleichen wir mit der vorhandenen Höhe in den Raum Frauenfeld. Da kreisen ein paar von uns. Aber eeländtüüf. Nun kommen Marc’s Qualitäten ins Spiel. Er zaubert den Duo mit 20 cm Steigen pro Sekunde geduldig ein paar Hundert Meter nach oben. Soweit wir dürfen oder können. Auf 1’450 Metern ist Feierabend. Das reicht natürlich nie über den Rickenpass. Aber vielleicht in die Nähe davon.

In der untersten Etage auf der Suche nach Landefeldern.

Wir überlegen intensiv, wo wir die nächsten Aufwind herbekommen können, der uns nach Hause tragen könnte. Viel fehlt eigentlich nicht. Es sieht aber schon etwas ungemütlich aus. Tote, stabile, feuchte Luft. Nix Zentrierbares. Bei Kirchberg wohnt ein Studien-Gspänli von mir auf einem Hügel. Exakt über seinem Haus scheint die Luft etwas zu steigen. Wenigstens die Hälfte eines Kreises, wenn wir drüber eindrehen. Aber nach zehn Minuten Kreiserei am Fahrt-Minimum und knapp über dem Waldrand reissen meine Nerven. Es wird mir zu gefährlich, so tief mit dem schweren Doppelsitzer in der halbbatzigen Thermik herumzueiern.

Ein gutes Landefeld bei der Graströchni in Bazenheid haben wir schon länger im Augenwinkel. Da ist ja aber noch ein „offizielles“ bei der Sportanlage Bütschwil. Das Feld ist lang, hat einen freien Anflug und müsste für uns gut ausreichen. Also fliegen wir dahin. Tief. Ohne Aufwind. Es ist nichts zu machen. Wir werden hier zu Boden gehen. Wie der Segler, der vor Bütschwil schon am Boden steht. Und jener bei Kirchberg, der ein Weizenfeld ausgewählt hat. Offenbar ist wirklich nichts mehr zu finden gewesen.

Konzentriert drehen wir ein paar Kreise über dem Landefeld. Sieht gut aus. Legen die Einflugrichtung fest. Werfen das Fahrwerk aus dem Schacht. Drehen in den Downwind, Base und den Final. Verflixt. Da hat es ja eine Kulturgrenze mit einem Eisenzünli drauf! Die sind erst jetzt zu erkennen. Also drehen wir in den rechten, schrägen Teil des Feldes ein. Wir haben ja dank des langen Anfluges genug Zeit. Marc macht eine saubere Hanglandung und zieht den Duo schön die Steigung hinauf. Rasch stehen wir still auf einem kleinen Hügel und vertreten uns erst mal die Füsse.

Flugfeld Bütschwil, die neue Aussenstation von Schänis.

Flugplatz Bütschwil.

Jetzt geht der Zirkus aber erst richtig los. Hinter uns hagelt es Segler vom Himmel. Am Ende stehen wir mit sechs Maschinen beim Hallenbad. Beat Straub erwischt einen Eisenpfosten und der Duo davon eine Blessur an der Flügel-Vorderkante. Urs Isler kann die Eisenpfosten-Reihe in den letzten Sekunden vor dem Aufsetzen noch erkennen und darüber wegziehen, später seitlich davon aufsetzen. Sonst ist alles gut gegangen.

Das Landefeld war mit unsichtbaren Eisenpföstli aber nicht ganz tückenfrei.

Irgendwann suchen wir nach dem Landbesitzer. Im nächstgelegenen Bauernhof finden wir ihn. Er ist ein wirklich netter Mensch, gerade beim abendlichen Kühe melken und nicht aus der Ruhe zu bringen. Seine Frage, ob wir denn nun hier „Segelflug-schulen“, zaubert uns ein breites Lachen ins Gesicht.

Nach einer längeren Rückhol-Übung überfallen wir etwas erschöpft unser Gastro-Team in Schänis. Fridli hat die asiatische Reispfanne an die Wärme gestellt. Wir bekommen also trotz mehrstündiger Verspätung noch das volle kulinarische Programm. Vielen Dank an alle, die wegen uns gewartet haben – und den Köchen für ihr Improvisations-Talent. Uffh, war das ein langer Tag.

Glück und Pech nahe beieinander.

Es hat sich allerdings am Ende noch gelohnt, nicht aufzugeben. Mit einem Hüchli Vorsprung holen wir einen Tagessieg heraus. Hoppla – damit war nicht zu rechnen! Etwas weniger gut geht es dem Peter Schmid in der gemischten Klasse. Er wird heute doppelt bestraft. Einerseits damit, dass er trotz der direkt über unseren Köpfen in Bütschwil aktivierten Heimkehrhilfe im neuen Arcus T zum Rückholer wird. Anderseits hat er beim Wegfliegen einen Moment nicht aufgepasst und bei Frauenfeld knapp eine Ecke des Luftraumes gestreift. Das heisst, er ist nach 40 km aussengelandet. So ein Käse. Damit versiebt er mehrere Hundert Punkte und am Ende auch einen sicheren Spitzenplatz in der RM-Gesamtwertung. (Fortsetzung folgt…)