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Quer durch alle Schweizer Militär-Fluggebiete.

Rigi. Pilatus. Eiger. Titlis. Tödi.

31.12.2012. Den schon fast traditionellen Silvesterflug haben wir dieses Jahr mit der Familie genossen. Wenigsten mit grossen Teilen davon. Sarah und Brigitte waren auf den Schneeschuhen unterwegs bzw. mussten den Silvesterabend kulinarisch sicherstellen – und hätten ja in der HB-KPN ohnehin nicht auch noch Platz gefunden. Aber Deborah, Philippe und Alissa sind mit um die Schweizer Voralpen-Gipfel gekurvt. Den aufkommenden Föhn konnte man an den üblichen Hotspots (Urmiberg, Rigi, Brienzer Rothorn, Engelberg und Eggberge bei Altdorf) schon deutlich spüren, auch wenn wir nie über FL 85 hinauf gestiegen sind.

Kurz nach dem Start über dem Sihlsee der Blick zurück auf die Glarner Alpen.

Auf der Frequenz von ZRH-Information war allerhand Betrieb, offenbar sind wir nicht die Einzigen, welche die freien Festtage um Silvester für einen kleinen Fluggenuss nutzen. Dafür sind sämtliche militärischen Flug- und Schutzgebiete für einmal deaktiviert gewesen. Was für Platz es da plötzlich mitten in der Schweiz hat! Wir sind für einmal mitten hindurch gmotoret. Vom Rigi über Luzern zum Pilatus (Buochs, Emmen). Dann weiter über die Schrattenfluh (Hohgant) und das Brienzer Rothorn (Meiringen, Axalp) zur dunklen Eiger-Nordwand. Und von da im Direktflug über den Titlis und den Klausenpasse zurück in die Glarner Alpen. Die Kontrolle der Skilift-Besuche in Elm gehörte abschliessend natürlich ebenso dazu wie die Skitouren-Schnee-Verhältnis-Prüfung am Sunnähöreli über den Weissenbergen. Sieht alles noch sehr schön aus.

 Ich wünsche allen einen gemütlichen Silvester, einen guten Anfang im Neuen Jahr – und beste Gesundheit und alles Gute.

Herbst-Trip ‚in den Süden‘.

Rasch über die Alpen nach Locarno.
Freitag, 16.November 2012

Das Fliegerei-Entzugs-Programm musste letzten Freitag kurzfristig aktiviert werden. Andi Hefti zeigte heftige Symptome. Regelmässiges Platznehmen in einem Motorfliegerchen hilft dagegen aber noch immer am zuverlässigsten.

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Aufnahme nach dem Start auf den Flugplatz Locarno.

Flugstrecke: Mollis-Kistenpass-Lukmanier-Locarno und zurück über den San Bernardino, Thusis, Chur. Wetter: Hochdrucklage, Dunst im Tessin. Kaum Wind. Den Flugplatz Locarno sieht man dabei im Gegenlicht reichlich spät (wenn man ungefähr weiss, wo er ist). Für Aufregung sorgten nur die Fallschirm-Porter des Paracentro, die uns zu einem unerwarteten, etwas rabiaten Sinkflug über Bellinzona von 6’000 unter 2’000 Fuss zwangen. Überhaupt ein seltsamer Sport, dieses Fallschirmspringen. Ich würde nie freiwillig ein intaktes Flugzeug in der Luft verlassen – also auf jeden Fall eine ’steile Sache‘, dieses Locarno.

Fotoalbum.

Beliebter Genfer Autosalon.

Dass man mit einen einmotorigen Flugzeug gegenüber anderen Transportarten wie Eisenbahn oder Auto Vorteile auf seiner Seite hat, spricht sich herum. Jedes Jahr fliegen ein paar Gäste von Mollis in rund einer Stunde sozusagen mitten in den Genfer Automobilsalon. Die Kosten sind vergleichbar mit der Eisenbahn, die Reisezeit beträgt aber statt zehn nur zwei Stunden.

Die Navettes.

Das Propeller-Flugzeug kann man bequem auf der Norseite des Flugplatzes parkieren, um anschliessend mit einer sogenannten ‚Navette‘ (französischsprachige Version eines hochbeinigen Personentransporters mit suizidgefährdetem, verhindertem Rennfahrer am Steuer und ausnahmesweise kein Space-Shuttle) in wenigen Minuten direkt auf die Südseite des Flugplatzes und damit sehr nahe an die Palexpo-Hallen mit dem Autosalon drin zu gelangen.

Fliegerei-interne Hürden.

Wenn man die Flugvorbereitungs-Hürden (Flugplan, Slot- und PPR-Theater) auf dem schon seit Wochen ausgebuchten Concrete-Runway einmal überwunden hat und bereit ist, auf dem für einen internationalen Flughafen etwas seltsam anmutenden, aber dafür andrangsfreien Graspistchen zu landen, ist Genf weiterhin eine VFR-Reise wert. Nachdem in den vergangenen Jahren alle Kleinflugzeuge erfolgreich mit den erwähnten administrativen Hürden vertrieben werden konnten, geniesst man heute ausreichend Platz und profitiert von kurzen Wartezeiten für Start- und Landefreigaben. Weniger schön ist dagegen die offenbar unvermeidliche doppelte Zollkontrolle auf der Süd- und Nordseite des Flugplatzes. Diese stehen dem Weg zum Flugzeug leider noch immer gleich in zweifacher Ausführung im Wege. Wenn man das Pech hat, die Piloten-Lizenz im Flugzeug zu vergessen, wird die Sache dann etwas zur kleinen Odyssee.

Reiz des Motorfliegens überwiegt.

Dieses Jahr haben wir dafür von besten VFR-Wetter profitiert. Konnten zweimal völlig wetter-sorgen-frei mit Sichten von deutlich mehr als 20 km auf direktem Wege und in kürzester Zeit von Mollis nach Genf und zurück fliegen. Was zu dieser launenhaften Jahreszeit nicht jedes Jahr der Fall ist. Das übertönt die Fliegerei-internen Misstöne noch immer bei weitem. Ich freue mich schon auf den Genfer Autosalon 2013 und alle, die dort wieder mit unserer clubeigenen Trinidad hinfliegen wollen.

Herbst-Rundflug Glarner-/Urner Alpen.

Samstag, 26. November 2011

Ende November geniessen wir einen der schönen Herbsttage, chartern in Schänis eine der starken Dimonas und fliegen bei schönstem Wetter durch die Glarner- und Urner Alpen. Das Mittelland war unter dem Nebel, in den Alpen ist die Sicht dank der trockenen Luft ideal.

Deborah hat sich seit Langem gewünscht, einmal um den Tödi zu fliegen. Heute war der ideale Tag dafür.

Die TMG’s Dimona mit dem turbogeladenen Motor sind ideal für Flüge in den Alpen. Kaum ein anderes Flugzeug dieser Preisklasse steigt dermassen sicher und gut. Vom Startort Schänis aus kann man mit 75% Leistung ohne einen einzigen Kreis direkt hoch über den Tödi hinaus steigen. Superklasse!

Atlantik, Mittelmeer und Alpen – Tour de France 2011.

Unsere diesjährige Motorflug-Tour führt uns in drei Tagen um die sehenswertesten Regionen der südlichen Hälfte Frankreichs. Den Norden haben wir aus Wettergründen diesmal ausgeklammert. Das fliegerische Vergnügen war maximal, wir haben alles gesehen, was Frankreich aus der Luft ausmacht.

Zuviele Verhinderer.

Motorflug-Reiseberichte behandeln häufig als Höhepunkt den erfolgreichen Umgang mit Landegebühren, Flugplatz-Scheriffen, störrischen Zollbehörden und anderen Controllern. Fliegen kommt häufig gerade noch als Randerscheinung vor.

Daran ist etwas Grundsätzliches falsch. Ich bin seit 30 Jahren der Meinung, ich bräuchte eigentlich nur 600 Meter Beton und ein getanktes Flugzeug für eine Reise. Alles andere stört das Vergnügen. Im Laufe der Zeit habe ich mich aber etwas daran gewöhnt, keine drei Minuten geradeaus fliegen zu können, um einem irgendwie gearteten Controller (kommt von controllieren) frequenzwechselnderweise erneut zu erklären, wie viele Personen wir an Bord sind, wo ich gestartet bin und wo ich zu landen beabsichtige. Welche Art von Flugzeug ich bewege und wieweit ich denn heute damit so käme. Als ob das der Sicherheit der Fliegerei zuträglich oder zu sonstwas nütze wäre. Und als ob das nicht schon alles im Flugplan drinstand, den einer seiner Gspänli gerade zu aktivieren oder durchzulesen vergessen hat. Das Einzige, was die ständige Quasslerei verursacht, ist erheblicher temporärer Stresszuwachs. Weil man irgendeinen verlangten Meldepunkt gerade nicht auf der Karte findet. Und dazu auch noch fliegen und hinausschauen sollte. Multitasking eben. Die Folge von all diesen Flugverhinderungs-Massnahmen: manche Motorflieger getrauen sich deswegen bloss noch an einem stahlblauen Sonntagnachmittag rondomdesäntis. Schon gar nicht bei komischem Wetter. Noch weniger an einen funkgeführten, kontrollierten Platz. Noch viel weniger ins fremdsprachige Ausland. Und schon überhaupt nicht ohne Linienpilot auf dem Nebensitz in die Nähe eines internationalen Flugplatzes.

Hier das Foto-Album von Köbi:

Förderverein zu Erhaltung und Hebung des Flugvergnügens e.V. (FvzEuHdFv)
Damit ich selber nicht auch in diese Spirale gerate, die am Ende ins bürokratisch-fliegerisch-schwarze-Loch führt, machen wir jährlich einen Ausflug, der obige Elemente enthält – so bleibt man im Saft. Für schwieriges Wetter ist häufig ohne Dazutun gesorgt. Den Rest ziehen wir aber voll durch. Diesmal planen wir nach einem längeren Wetter-Check zwei Tage vor der Abreise eine Strecke, die auf der Rückseite der letzten Front quer durch alle kontrollierten Lufträume und Sperrgebiete zuerst an den Atlantik, dann im schönen Hochdruckwetter an den Pyrenäen vorbei zurück in die Region des Rhônetals oder wahlweise je nach Wetter auch Mittelmeers führt. Um von da aus der anrückenden Gewitter-Kaltfront anderntags rechtzeitig wieder in die Schweiz entwischen zu können. Also ein gut gefülltes Programm und eine ausgefeilte Strategie. Um den etwas weit entfernten Atlantik zu rechtfertigen, bauen wir einen Museumsbesuch an der Heimstätte von Latécoère und der Wasserflugzeuge in Biscarosse ein. Die volle Dekadenz also.

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Annemasse mit einmaligem Panorama-Blick auf den Mont Blanc.

‚A‘ wie ‚Andi‘ und ‚Annemasse‘.

Der FvzEuHdfv besteht dieses Jahr aus Jakob Däscher, meinem jahrelangen, leidgeprüften Fliegerspänli. Er war schon mehrmals bei diesen leicht abenteuerlichen Ausflügen dabei und ist völlig wetterfest und Kummer aller Art gewohnt. Was wir noch nicht geschafft haben, ist eine Reise in den richtigen Norden. An die Ostsee oder nach Skandinavien. Immer war das Wetter zu marginal, wie diesmal in dieser Gegend auch wieder. Aber vielleicht klappt das ein andermal. Neu im FvzEuHdfv ist dieses Jahr Andreas Hefti, ein früheres Ski-Gspänli, das ich seit 20 Jahren nicht mehr gesehen habe und der vor wenigen Jahren als Pilot in Mollis wieder auf den Radar gekommen ist.

Unspektakulär.
Die erste Etappe auf den Zollflugplatz südlich von Genf verläuft völlig unspektakulär. Ausser, dass ich das falsche Zollformular ausfülle. Jenes für Helikopter. Und für auswärtige Gäste von Mollis statt jenes für Einheimische und Flächenflieger. Sind wir natürlich beides nicht. Habe trotz einer stundenlangen Schulung vergessen, dass es verschiedene Zollformulare gibt. Aber das ist ja auch schon wieder ein halbes Jahr her. Der Flug verläuft im laufend schöner werdenden Wetter entlang der Schweizer Voralpen wirklich ereignislos, ausser, dass uns der Controller in Bern vergisst und erst auf erneutes Nachfragen explizit eine Crossing-Clearance füräbrösmelet.

Schöner Funk-Parkplatz.

Annemasse hat einen aussergewöhnlich schönen… Anflug. Im Final der Piste 12 fliegt man direkt auf den Mont Blanc im Hintergrund zu. Funkverkehr? Gibt es auch. Er beschränkt sich zur Hauptsache darauf, einen Parkplatz zuzuweisen. Dabei schwingt nach Andis Meinung bereits eine feine Prise Erotik auf einer Neben-Frequenz mit. Sein Eindruck täuscht nicht. Beim Ausfüllen der Startliste wird klar, warum er gerade bei dieser Equipe den Eingangszoll nach Frankreich machen will. Die Begründung, nachher fernab jeglicher zeitlich hinderlichen und eigentlich gefährlichen Zollvorschriften dorthin fliegen zu können, wo man wolle, wirkt beim Anblick der französischen Beauté gegenüber etwas durchsichtig.

PPL-Petflaschen-Taliban.
Für den Toast im Flugplatz-Restaurant müsste man schon nicht extra hierherfliegen. Aber wir sind froh, überhaupt etwas zwischen die Beisserchen zu bekommen. Schliesslich steht uns noch ein langer Flug an den Atlantik bevor. Wegen der Zollvorschriften seit dem 11. September verzichten wir darauf, etwas Flüssiges mitzunehmen, weil man das ja sowieso am Zoll ausleeren muss. Dafür dehydrieren wir dann fast, bis wir den Atlantik sehen… Das Problem begleitet uns auf der ganzen Reise. Es ist in meinen Augen die weitaus grössere Gefahr für die Zivilisation als ein fliegender Privatpiloten-Taliban mit Chemikalien in einer Petflasche.

Holding mit Umweg.
Wir klettern nach dem Start dem Salève entlang nach Chambéry. Unter uns breiten sich in 3’500 Fuss weisse Wattebäusche aus. ‚Broken’ sei das, sagt der nur für Piloten verständlich gemachte Wetterbericht. Schaut man aus einem flachen Winkel drauf, scheint die Dichte eher ‚overcast’. Drunter fliegen möchte ich eigentlich nur schon der heissen Temperatur im Cockpit wegen nicht. Und ambodänachä Flüge ist anspruchsvoller und strenger. Und da steht ja in der nächsten halben Stunde auch noch das Zentralmassiv im Weg. Also versuche ich, mich mit einer Controllerin in Lyon darauf zu einigen, über 5’000 Fuss ihren südlichen Luftraum queren zu dürfen. Anfangs schickt sie mich auf ein Holding. Danach immer mehr über meinen geplanten Kartenrand hinaus, durch ein Sperrgebiet direkt auf dem offenbar unbenutzten Flughafen von Grenoble. Da isch kä Tappä in der Luft oder am Boden. Mein Mäusekino, das mir laufend die aktuelle Position akkurat zeigt, eignet sich leider in der Luft nicht so für die Planung langer Strecken. Dafür weiss ich immer, wo ich bin. Immerhin. Mit den Wolken untendran wäre das ohne Mäusekino natürlich stressiger. Nach einem zehnminütigen rechtwinkligen Umweg dürfen wir dann doch noch nach Westen aufbrechen. Auf derselben kühlen Höhe von vorhin. Und 500 Füsse im kontrollierten Luftraum drin. Auch eine Flugzeug-Klima-Anlage wäre also ein sicherheitsrelevantes Ausrüstungs-Teil. Mit einem kochenden Hirn kann niemand gescheit (und tief) fliegen.

Zentralmassiv, Coquillages und Tigershrimps.
Je weiter wir nach Westen gelangen, umso mehr trocknet das aufbauende Hoch die Luftmasse ab. Die Sicht westlich des Rhônetals ist ausgezeichnet, das Zentralmassiv zeigt sich von der schönsten Seite. Ich war schon ewig nicht mehr hier. Südlich von Bordeaux schlüffemer immer näher an den Atlantik. Inzwischen kann ich sogar den sog. ‚Altitude-Preselector’ einwandfrei (also im Schlaf) bedienen. Das Instrument führt zu konstanten, angenehmen Sinkflügen und erhöht damit über lange Strecken die Reisegeschwindigkeit. Dafür bekommt niemand an Bord wegen hoher Druckunterschiede Muffensausen in den Ohren. Die Gegend wird spannender. Das Bassin d’Arcachon ist jene Region Frankreichs mit dem grössten Tidenhub. Das führt dazu, dass eine grosse Wasserfläche im Landesinneren sich fast ganz entleert, wenn Ebbe ist. Und bei Flut müsse man sehr gut zu Fuss sein, um dem ansteigenden Meer noch entwischen zu können. Das Bassin d’Arcachon ist voller Muschelzuchten. Köbi kann sich so langsam daran gewöhnen, dass es heute keine heissgeliebten Steaks (c’est quoi, des vaches? – fragen die einheimischen Kellner beim Bestellen) zum Znacht gibt, sondern black TigerShrimps, Austern, Muscheln und Co. Vielleicht trifft am ehesten noch ein Schaf seine Essenswünsche. Köbi hat jetzt schon Hunger. Ich getraue mich nicht, ihm zu sagen, wie lange das noch gehen wird. Durst haben wir auch. Aber wir halten eisern durch, obwohl wir seit längerem in einem gut gelüfteten Backofen sitzen.

Wanderdüne
.
Aquitaine Information ist sehr kompetent. Der Controller macht uns sauber, in gut verständlichem Englisch und konsequent auf aktivierte Sperrgebiete aufmerksam. Davon hat es hier in der Gegend eine unübersichtliche Menge mit noch unübersichtlicheren französischen Nummern. ‚Jaaanüüüddriifflüüüge’ auf Französisch also. Mein Mäusekino reklamiert zum Glück ebenso frühzeitig wie zuverlässig, wenn wir auf ein ‚Lima Romeo Trohntesängg Alfa’ (ist weder ein südamerikanischer Casanova noch ein italienisches Sportcoupé) und seine Kollegen nur schon zusteuern. Also dürfen wir akkurat zwischen den Sperrgebieten, dem Flughafen Bordeaux, den Militär-Basen und Radarstationen, Mirage-Tiefflugstrecken und der schönen Dinge mehr durchzielen und sind plötzlich an der Küste und über der grössten Wander-Sanddüne Europas. Zusammen mit einem cheibäschnellä Helikopter sausen wir im Tiefflug unter Tausend Fuss der einsamen Atlantikküste entlang nach Süden. Hier müsste man bei den hohen Wellen und dem zügigen Wind spitzenmässig surfen können. Vor dem letzten Sperrgebiet für heute biegen wir links ab, verabschieden uns beim netten Herrn von Aquitaine Info und wechseln kurz vor der Landung auf die Frequenz von Biscarosse – jaahaa, das ist noch in Europa… Da geht es ebenso professionell weiter. Interessant. Das ist ja eigentlich ein unbesetzter Flugplatz wie sie hier in der Gegend häufig sind.

Beau Weekend!

Wir dürfen direkt auf die Piste 09 hineinziehen. Bevor der Mann am Funk den Laden dichtmacht, fragt er noch, ob wir was bräuchten. Da hätte ich besser ‚Ja, gern – Benzin’ gesagt.

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Wenig Trafic: Biscarosse am Atlantik.

Wir packen den vollen Kofferraum unserer schönen Trinidad aus, vertreten uns die Füsse, Andi zieht sich eine Notration Nikotin ein und Köbi organisiert am Handy die letzten Reste seines Firmenjubiläums. Dann zotteln wir mit Voll-Packung Richtung Tower. Der nette Herr vom Funk ist der Chef einer staatlichen Pilotenschule und macht gerade Dienstschluss. Er organisiert uns noch eine Taxi-Telefonnummer, bevor er mit seiner Sekretärin ins Weekend entschwebt.

Da sind wir also. Etwas einsam. Im europäischen Zentrum der Wasserfliegerei. In der Heimat von Latécoère und anderen fliegerischen Legenden. Hier und jetzt ist aber gar niemand. Nix. Zu trinken. Nix Büro. Nix Landetaxen. Nix Benzin.

Nächtliche Flugplanung im homeoffice.

In Biscarosse erwartet uns ein gemütliches Hotel namens ‚La Caravelle’. Es liegt direkt an einem herrlichen Binnensee. Da wir ohne Flugzeug etwas immobil sind, essen wir auch gleich auf der Terrasse mit Seeblick. Die erwähnten Austern, Muscheln, Shrimps & Co.

Benzinplanung.
Um das volle Tagesprogramm noch abzurunden, machen wir für den morgigen Flug nach dem frühzeitigen Museumsbesuch der ‚hydroaviations’ noch die Flugplanung nach Südost-Frankreich. Entweder nach Gap oder Cannes. Köbi will Letzteres. Und wenn’s geht, der Küste entlang. Die Planerei geht dank unserem mobilen Büro mitsamt Druckerli für die stromlose Notfall-Flugplanungs-Version sehr effizient. Etwas Sörgeli macht dagegen das Finden einer Benzinquelle. In den offiziellen Unterlagen ist hier zwar ausdrücklich Avgas 100 erhältlich. Stutzig macht dagegen der Vermerk ‚Total AirCard only’. Haben wir nicht. Und ob wir am Samstag auf diesem einsamen Flugfeld jemanden finden, der sie uns leiht, ist eine zweite Frage. Bevor mir die Augen zufallen, lege ich mir schon mal ein paar Backups zurecht. Wir haben noch für etwas mehr als eine Stunde Flugzeit Benzin in den Flächen. Damit würden wir auch einen grösseren Flugplatz in der Region erreichen. Aber ob sich da nicht am Ende eine ähnliche Ausgangslage zeigt? Nur dann ohne die bis dahin verbrauchten 80 Liter Benzin in den Flächen…

Zuerst Pech mit einem Museum.
Anderntags stehen wir früh auf der Frühstücks-Terrasse. Und kurz danach vor geschlossenen Türen des Wasserflugzeug-Museums. So ein Käse. Hat nur im Juli und August täglich ganztags geöffnet. Ab September nur nachmittags. War im Internet so nicht formuliert, hilft aber jetzt auch nicht. Wir drehen unverrichteter Dinge von den Dorniers & Co. auf dem Absatz um und fahren mit dem Taxi zurück zum Flugfeld Biscarosse. Ein einsamer Streifen von 1’000 Meter Beton und zwei Tankstellen erwartet uns. Sonst nichts. Vorläufig wenigstens.

Benzinoase.
Wir durchkämmen jede Ecke nach vorhandenen Menschen. Mit oder ohne Benzinkarte. Erfolglos. Da beginnt ein ULM-Flugzeugfloh Runden zu drehen. Sieht nach Ausbildungsflügen aus. Ich krame mein Handfunkgerät hervor und frage die Ultraleichten nach einer Chance, hier Benzin tanken zu können. „Naturellement – c’est facile. À la station d’essence, il y a une numéro de téléphone d’une personne qui habite à la commune des pilotes…» Na, da hoffen wir mal, dass die Person am Samstagmorgen zuhause in der hiesigen Siedlung für Menschen mit eigenem Flugzeug, eigener Villa und eigenem Hangar ist, auf Anrufe Benzinsuchender wartet und standby mit seiner Total AirCard in der Haustür steht. Wird vermutlich nicht ganz einfach. Ich durchsuche mal die grosszügige und saubere Benzinstation. Ausser einer ganzen Menge von Total AirCards an einer Kette hängt da gar keine Telefonnummer in Sichtweite. Da ruft mich der ultraleichte Fluglehrer wieder am Funk auf und weist mich darauf hin, dass eine andere Benzinstation gemeint gewesen sei. Jene, wo ich stünde, gehöre zur Fliegerschule. Die hat nur Montag bis Freitag offen. Prima. Dann wandere ich sofort zur anderen Benzinstation. Wir halten jeden Grashalm fest.

Dann Glück mit einem privaten Museum.
Andreas und Köbi packen schon mal die Trinidad voll, während ich ans andere Pistenende gehe. Auf dem Weg dahin treffe ich vor einem Hangar einen Gyrocopter mitsamt einem Menschen davor. Sieht kompetent aus. Er telefoniert mit einem mutigen Fluggast. Danach verweist er mich ebenfalls an die Tankstelle mit der Telefonnummer. Bei der nächsten Hangarecke ist schon richtiges Business im Gange. Eine Ultraleicht-Flugschule mitsamt modernem, blitzsauberem Büro und Sekretärin organisiert ebenfalls gerade Passagierflüge. Hat aber aus Versicherungsgründen auch keine Total AirCard vorig. Auch nicht leihweise. Auch nicht gegen Cash. Hmmhh. Schwierig.

Jeff.
Bevor ich die richtige Tanksäule erreiche, stürchle ich über Jeff. Er sieht schon auf den ersten Blick extrem kompetent aus. Sein kleiner Polizeihund auch. Jeff ist Walliser und besitzt hier ein Grundstück. Und einen grossen Hangar. Mit allerhand altem, interessantem Fluggerät drin. Mehrere Stampes. Eine Boeing Stearman. Eine Cirrus. Eine Cessna 182. Und einen historischen Traktor mit ähnlichem Jahrgang wie die Flugzeuge, die er herumzieht. Alles in perfektem Zustand und technisch auf Vordermann. Jeff ist ein hilfsbereiter Mann. Er versucht zuerst für mich, die ihm bekannte Benzin-Telefonnummer anzurufen. Als da (habe ich nicht wirklich anders erwartet) niemand zuhause ist, sucht er den PIN-Code seiner eigenen Benzinkarte und hilft uns damit aus. Wir packen die Gelegenheit und füllen 180 Liter in die Flächen. Andi hat inzwischen die Trinidad hergetäxelet.

Oldtimer-Prominenz.
Jeff muss in der Oldtimer-Szene ein weltbekannter Mann sein. Er zeigt uns ausführlich sein privates Fliegermuseum. Offenbar restauriert und pflegt er Stampes eigenhändig und besitzt gleich ein Dutzend davon. Bei einem weltweiten Gesamtbestand von noch 60 fliegenden Exemplaren dürfte das die grösste Sammlung dieser eleganten belgischen Doppeldecker sein. Er gibt hier auch sein einmaliges technisches Wissen weiter und instruiert in seinem neu erworbenen Hangar angehende private und kommerzielle Flugzeug-Mechaniker.

Mit einem warmen Kaffee aus Jeff’s noch improvisierter Küche im Bauch entern wir die HB-KPN und machen uns auf den langen Weg ans Mittelmeer. Einerseits schade, dass das Musée des hydroaviations geschlossen war. Anderseits wäre uns möglicherweise gar nicht aufgefallen, welche Schätze hier in einem Hangar am Ufer des Atlantiks parkiert sind. Und so haben wir erst noch einen guten Grund, nochmals in einem Juli oder August herzukommen, wenn das Museum geöffnet ist.

Die erste Flugetappe führt der pfeilgeraden Atlantikküste entlang im Tiefstflug unter 1’000 Fuss bis kurz vor Biarritz. Die Region ist nur schwach besiedelt und voller endloser Pinienwälder. Die Sandstrände sehen von hier hoben einfach traumhaft aus. Hohe Wellen und ständiger, auflandiger Westwind müssen ein Surfer’s Paradise sein.

Von einer FIR zu andern.
Diese Region Frankreichs hat gleich mehrere Fluginformations-Gebiete. Nach der gestrigen, positiven Erfahrung mit Aquitaine Info starten wir dort schon gleich nach dem Start den ersten Aufruf. Niemand zu Hause. Ich warte, bis wir das angrenzende Gebiet von Biarritz Info erreichen. Anfangs sind wir vermutlich etwas gar tief und weit weg, auch niemand zu Hause. Irgendwann beginnt es dann doch am Funk französisch zu tröten und ich werde meinen Funkspruch los. Wir überfliegen inzwischen eine ziemlich dichte Wolkendecke (broken) mit einer Obergrenze von ca. 1’500 Fuss. Nicht sonderlich gemütlich, teilweise sind die Löcher selten, vor allem, wenn man flach über die Tops blickt. Navigieren ohne GPS wäre nur direkt im Tiefflug unter den Wolken möglich. Aber trotz der extrem flachen Gegend nicht wirklich sicherer.

Happiger Gegenwind nach Cannes.
Wir werden von Biarritz nach Pau, Lourdes und am Ende an Toulouse Info weitergereicht und folgen teilweise vorgegebenen VFR-Routen. Freigaben sind überhaupt kein Thema, die bekommen wir ausnahmslos und vor allem sofort. Die feuchte Luftschicht hat sich nach ca. 20 Minuten in klare, trockene Luft verwandelt. Dafür nimmt der Gegenwind erheblich zu. Das GPS zeigt teilweise einen Groundspeed von weniger als 100 Knoten an. Wir fliegen zwar schon nur mit 55% Leistung, aber so kommen wir natürlich kaum vorwärts. Je näher das Mittelmeer kommt, umso feuchter wird die Luft wieder. Diesmal aber mit einer deutlich höheren Wolken-Untergrenze. In Erwartung der Sichtflug-Tiefst-Flug-Strecken dem Mittelmeer entlang entscheiden wir uns diesmal für undädurä. Wir wollen auf dem Weg nach Cannes, auf das wir uns gestern Abend noch geeinigt haben, schliesslich keine ‚Ecken’ in die Luft fliegen.

1’800 Jahre altes les-Saintes-Maries de la Mer.
Montpellier Info lässt uns der Küste und der VFR-Route entlang auf 1’000 Fuss nach Osten fliegen. Diese Flugstrecke lohnt sich, ich bin hier nicht das erste Mal unterwegs. Ein Touristen-Hotspot reiht sich an den andern. Yachthäfen, Leuchttürme, Sandstrände, Etangs und Salzgewinnungsanlagen werden langsam aber sicher von Flamingos, frei lebenden Schimmeln und der Raffinerie von Fos-sur-Mer abgelöst. Ein sicheres Zeichen, dass wir im Tiefflug die Camarque überfliegen. Der berühmteste Ort inmitten dieser einmaligen Gegend ist Les Saintes-Maries de la Mer. Das ist ein pittoreskes Städtchen aus dem vierten Jahrhundert mit einem weltbekannten Zigeuner-Event. Hier wird die heilige Sara von den Gitanes (Fahrenden) verehrt.

Controller à gogo

Kaum erreichen wir Cap Couronne, werden wir plötzlich von einer Kontrollstelle an die nächste weitergegeben. Innert weniger Minuten wechsle ich dreimal die Frequenz. Teilweise muss ich nachfragen, bei wem ich nachfragen soll, weil ich die Station nicht verstanden habe. Der Stresspegel steigt leicht, wir sind ja in der CTR von Marseille und wollen niemandem zu nahe kommen. Auch nicht den Felsen auf der linken Seite. Die vorläufig letzte Kontrollstelle führt uns dann zu einem eher seltenen Überflug von Marseille Marignac. Das ist einer der gut frequentierten internationalen Flughäfen Frankreichs. Von links landet gerade ein Airbus A320, als wir auf 1’500 Fuss die Platzmitte Richtung Norden queren.

Kartenrand.
Über einen der östlichen Meldepunkte werden wir aus der CTR Marseilles hinausgeführt. Nun habe ich das Problem, dass meine Flugplanung erheblich durcheinander geraten ist. Mein Mäusekino zeigt unsere exakte Position und etwas Gegend drumherum. Aber eben nur etwas Gegend – für weitere Planungen ist es nicht so praktisch. Mein Papier-Karten-Ausdruck reicht gerade knapp bis dahin, wo wir sind. Eigentlich wollten wir ja den Calanques entlang südlich des Kriegshafens Toulon vorbei nach St.-Tropez fliegen. Das ist dann doch ein gutes Stück weiter südlich. Nun müssen wir mit Aix-les-Milles, einem der zahlreichen Atomkraftwerke und dem Helikopterplatz St.-Luc vorlieb nehmen. Auch gut. Hier kenne ich mich wenigstens vom Segelfliegen in Vinon her sehr gut aus, dass ich eigentlich keine Karte brauche. Wir folgen ab der gut sichtbaren Zahlstelle von Brignoles weg der Autobahn bis nach Cannes. Der Einflugpunkt dorthin ist ein kleiner Pass durch die Hügel westlich des ‚St.-Moritz-des-Mittelmeers’. Problemlos fädelt Andreas zwischen die Business-Jets im Anflug nach Cannes ein. Dann suchen wir nach der Landung als erstes nicht etwa den lang ersehnten Bier-, sondern – richtig: den Benzinhahn.

Tiefstes Afrika
Köbi und ich waren vor ein paar Jahren schon in Cannes. Deshalb ist die ‚Gastfreundschaft’ des Flughafens ein déjà-vu-Erlebnis – nur, dass sie uns diesmal nicht mehr auf dem falschen Fuss erwischt. Alle Tische im Restaurant sind leer, der Kellner und sein Koch trotzdem überlastet. Wir bekommen mit Mühe einen kleinen Tisch bei der Besenkammer. Aber gar nichts zu essen. Da wir gleich seit mehreren Stunden weder zu trinken noch zu essen hatten, sind wir reichlich hungrig und durstig. Aber nicht mal Nüssli oder Pommes Chips. haben sie in diesem elenden Ort. Selbst in Simbabwe kennt man sowas heute. Nicht so in Cannes, dem nobelsten Ort der Mittelmerrküste. Ich beobachte, wie auch beim C-Büro alle anströmenden ‚Kunden’ bzw. ‚Unterbrüche der Arbeit’ abgewimmelt werden, bloss nichts tun, ist hier die Devise. Auch unsere Landetaxe will niemand. Das könne man morgen doch vor dem Start gut erledigen. Da stellt sich dann heraus, dass ‚vergessen’ ging, die Landung im System einzutragen. Bloss gut, dass wir auch nirgends gestartet sind. Biscarosse war ja unbedient, einen Flugplan mussten wir nicht aufgeben und so hat administrativ gar kein Flug stattgefunden.Nach einem ersten Notfallbier mit knurrendem Magen flüchten wir blitzig in die Stadt. Andreas kennt ein schönes Hotel, da haben wir gerade noch das ‚letzte’ Zimmer bekommen. Würde ich auch sagen, wenn ich ein Hotel hätte und es ruft am Samstag-Nachmittag jemand an…

Die Gasse der 1001 Restaurants.
Dafür lassen wir’s uns im Hotel-Pool auf der Dachterrasse gut gehen. Hier muss während des Filmfestivals der Bär los sein. Den Flug für morgen nach Mollis planen wir auch noch, den Flugplan geben wir auf und die Zoll-Deklaration ebenfalls. 11.00 Uhr wollen wir in Mollis einschweben. Das heisst, morgen geht’s früh aus den Federn, damit wir vor der anrückenden Kaltfront zuhause sind.

Abends flanieren wir durch die Gasse der 1001 Restaurants. Das ist ein schmales Strässchen vom Hafen die Altstadt hinauf. Überall auf schiefen Untergrund sind grosse Bodenkeile montiert, darauf ist überall weiss gedeckt. Sieht sehr amächelig aus. Mit sicherem Kennerblick wählt Köbi eines der unzähligen Restaurants aus. Für Unterhaltung ist gesorgt, hier ist es, als würde man bei uns an der Landsgemeinde am Hauptausgang sitzen. Tausende von Besuchern strömen durch Cannes. Hier muss es allen an diesem riesigen Futtertopf Beteiligten gut gehen. Das erklärt etwas die ebenso faulen wie unfreundlichen Angestellten auf dem Flugplatz.

Nach einem prächtigen Nachtessen fallen wir im Hotel in die Kissen. Bevor das Schnarch-Konzert losgeht, hole ich die Fahne herunter und schlafe wie ein Murmeltier.

Morgens um Sieben liegt auf der Westseite der Bucht Seenebel bis ca. 2’000 Fuss. Sonst sind die Wetterbedingungen aber einwandfrei. Der normale Ausflugspunkt dürfte in den Wolken stecken, die Abreise also nicht ganz trickfrei werden.

Ausflug in Wolken.
So ist es dann auch. Als wir mit einer Viertelstunde Verspätung auf den Flugplan am Start stehen, lautet die Freigabe für den Ausflug, geradeaus zu steigen, auf 800 Fuss nach Westen zu drehen und den Ausflugspunkt auf maximal 2’000 Fuss anzufliegen. Das wird wohl etwas eng werden. Entweder mit der Sicht oder der maximalen Höhe. Mal schauen. Wir rasen über die Runway und steigen auf’s Meer hinaus. Ich warte mal, bis der Höhenmesser 1’000 Fuss hergibt, erst dann drehe ich unseren gut geladenen Flieger nach Westen. Das hat den Vorteil, dass wir leichter über den Seenebel hinweg steigen können. Wenn die Obergrenze noch in die Freigabe passt, kommen wir hier so weg, wie der Controller das wünscht. Der hat vermutlich heute noch nicht richtig aus dem Fenster geschaut – wir machen aber trotzdem, was er wünscht. Ich ziehe die Trinidad über und um die Wolkentops und melde mich scharf auf 2’000 Fuss über dem Ausflugspunkt. Dass ich den Abflugpunkt einen Augenblick lang nur im GPS sehe, unterschlage ich. Schliesslich ist rundherum ‚grand-beau’, ausser da, wo der Controller uns hinausschickt, staut die Feuchtigkeit.

Alpen-Rennstrecke.
Etwas frech frage ich auf der Information von Nizza einen Steigflug auf FL 100 an. Bis 75 bekomme ich nach einigem Zögern rasch, bis 95 eine Viertelstunde später. Dazwischen ist das Umfliegen einer restricted Aerea. Und einer zweiten, die ich bestens kenne. Die französischen Bodentruppen betreiben auf dem Plâteau du canjuers einen Schiess- und Übungsplatz. Neuchlen-Anschwilen auf südfranzösisch. Da habe ich sonntags noch nie einen Schuss gehört. Aber trotzdem dürfen wir da nicht durch. Also fliege ich auch da drum herum, immer die Nase schön hoch für den Steigflug über die höchen Französischen Alpen. Durch den Parc National du Mercantour fliegen wir zum Col d’Allos, über den Grand-Bérard nach Mont Dauphin und den Col d’etaches ins Maurienne. Da kenne ich vom Segelfliegen sozusagen jedes Grasport persönlich. In Norditalien staut sich eine Menge Feuchtigkeit bis knapp 4’000 Meter hinauf. Das wird heute noch höher kochen. Wir schleichen über Val d’Isère ins Aostatal und ziehen an den Grand Jorasses vorbei durch das Val Ferret ins Wallis. Der Rest ist Alpenfliegen pur. Alle schönen Walliser Viertausender sind auf der Menukarte. Über der Furka staut vom Gotthard her wieder mehr Feuchtigkeit ins Urserental. Wir können aber sauber unter die Wolken tauchen und über den sich rasch nähernden Klausenpass Mollis anfliegen. Den Flugplan kann ich noch mit dem letzten schwachen Funkkontakt in der Luft schliessen. Und schon hat uns Mollis wieder.

Höhere Sicherheit durch Zollvorschriften?
Zöllner haben wir auch nach dieser Landung trotz genauer Suche keinen gefunden. Es ist nicht ganz einfach, die vorgegebenen Zeiten als Privatflieger sauber einzuhalten. Das sorgt ab und zu für absolut unnötigen Stress – und Gefahren. Ob die Flug-Sicherheit durch die Zollvorgaben erhöht wird, muss man sich ernsthaft fragen. Beispiel: Dehydrierte Piloten, weil man keine Flüssigkeiten mitnehmen darf. Beispiel gefährlich gewählte Flugstrecke, weil es aus Zeitgründen zur Einhaltung der Zollvorschriften keine Umwege verträgt.

Am späteren Nachmittag rauscht dann die erwartete Kaltfront durch die Schweiz und richtet an verschiedenen Orten erhebliche Schäden an. Wir sind froh, dass die HB-KPN schön im trockenen Hangar in Sicherheit steht und freuen uns, mit ihr wieder einen ähnlichen Flug unternehmen zu können. Vielleicht dann wirklich mal nach Osten oder Norden. Am liebsten beides.

Motorflug ‚Tank-Trans-GmbH‘ nach Sion. Januar 2011.

Leichter Süd staut Furka zu.

Mit dem Inhaber unserer Transport-Partner-Firma für die Ostschweiz, Werner Baumann, seiner Lebenspartnerin Nathalie und seiner Tochter Desirée auf den Sitzen der HB-KPN der Fluggruppe Mollis fliegen wir am letzten Januar-Samstag bei leichtem Südwest nach Sion.

Link auf Picasa-Foto-Album.

Bereits über dem Urnerland muss ich die geplante Flugroute abändern. Der Südwind staut von Süden her das Urserental und die Furka zu. Aber der Sustenpass ist offen. Wir lassen uns bis kurz vor Meiringen etwas vom ‚Föhn‘ schütteln. Bei so tapferen Passagieren ist das ja kein Problem!

Eiger, Mönch und Jungfrau.

Mit einer Freigabe des Militärflugplatzes Meiringen im Gepäck fliegen wir über das Schilthorn und das Kandertal ins Wallis ein, um nach einem Dreiviertel-Stunden-Flug in Sion aufzusetzen. Dort treffen wir (was für ein Zufall…) Peter und Bruno Schmid, die in einer Dimona vom Birrfeld ebenfalls hierher einen Ausflug gemacht haben, damit der Peter seine Flugstunden für die Ausweis-Erneuerung rechtzeitig beisammen hat.

Die schnellen Gebrüder Schmid.

Die beiden sind nach dem Mittagessen in der Flugplatz-Beiz von Sion denn auf dem Rückflug mit ihrem Vorsprung der Frühstarter mit der voll besetzten Trinidad kaum mehr aufzuholen. Über Les Diablerets verlieren wir ihren Motorsegler jedenfalls aus den Augen und landen nach einem feinen, ruhigen Rückflug über die Walliser-, Berner-, Urner- und Schwyzer (Vor-) Alpen am Nachmittag wieder im winterkalten Mollis.

Das war ein besonders schöner Samstag – sowas können wir gern wiederholen 🙂

Allen ein Frohes Neues Jahr!

Silvester-Flug 2010 ‚rund um den Tödi‘.
Samstag, 1. Januar 2011

Motor-Flug mit unserer schnittigen neuen Trinidad bei typischen Winter-Hochdruck-Bisen-Hochnebel-Lage. Das einzige Ein- und Ausstiegsfenster lag für ein paar Stündli über dem Glarnerland.

Nebel bis in die Region Glarus. Darüber wunderbarstes, turbulenzenfreies Winterwetter, beste Sicht. Wir haben ein kurzes, fliegbares Fenster nutzen können, bevor der Hochnebel mit der untergehenden Sonne bis ins hinterste Glarnerland eine Decke reingezogen hat.

Co-Piloten: Thomas Zopfi und Bruno Hefti (‚Fluggruppe Thon‘).


Link auf die Foto-Galerie.

Flugstrecke:

Allen wünsche ich ein Frohes Neues Jahr.

Motorflug-Ferien im Erzgebirge und in Dresden.

Herbstferien / Oktober 2010.

Eine Woche lang durften wir uns bei Beat Bünzli in seinem schönen Hotel in Bad Schlema im Erzgebirge wie die KönigInnen verwöhnen lassen. Dass wir es alle genossen haben, sieht man schon den Fotos an.

Wenn es der Geldbeutel und das Wetter (in dieser Reihenfolge…) zulassen, leisten wir uns einmal im Jahr eine Motorflug-Ferienreise in Europa. Dorthin, wo das Wetter das am risikolosesten ermöglicht. Das war diesen Herbst der Osten Deutschlands, die neuen Bundesländer.

In Sachsen, nahe an der tschechischen Grenze, lebt ein bekannter Schweizer Segelflieger, Beat Bünzli. Seit zehn Jahren betreibt er in Bad Schlema ein Hotel direkt neben einem Radon-Kur-Bad (das hat er übrigens praktischerweise auch gleich selber gebaut). Beat wollten wir bei dieses Jahr bei dieser Gelegenheit endlich einmal besuchen.

Hochnebel.

Die Motorfliegerei während der kalten Jahreszeit nach Sichtflugregeln hat es in sich. Manchmal liest sich die Wetterkarte wie die Anleitung zu einer Geisterbahn. Tiefliegende Wolken. Schauer. Schlechte Sicht. Vereisung schon in geringen Höhen. Hochnebel. Letzteres ist noch das angenehmste aller Übel. Damit sind wir dann auch gestartet. In der Hoffnung, dass die Wetterprognosen für die nächsten Oktobertage zuträfen und sich das Hochdruckgebiet halten würde.

Der Hinflug bis Bayreuth ist das reine Vergnügen. Wir klettern nach dem Start durch die löchrige Hochnebeldecke in GlarusNord und sausen darüber hinweg bis ins Allgäu. Da herrscht das Hochdruckgebiet dann erst richtig und trocknet die Luft ab. Eine tolle Sicht bis an den Anschlag ist das Resultat. Kurz vor der Mittagspause des Controllers (er musste die Suppe wegen uns wohl zwei Minuten verschieben) landen wir in Bayreuth. Das ist eigentlich nur wegen der Verzollerei nötig. Und Bayreuth ist der nächstgelegene Zollflugplatz zu unserem definitiven Reiseziel in Chemnitz. Und Bayreuth hat alles, was der Motorflieger braucht. Von allen Arten von Betankung bis zum Instrumentenlandesystem.

Etwas erstaunt sind wir nach der Landung über die eiskalte Luft hier. Es ist gerade mal knapp über Null Grad und die Bise pfeift gehörig über die Hochebene. Also Kragen hoch und im Eilschritt in die Fliegerstube. Dort möbelt uns ein währschaftes Mittagessen wieder auf. Fröhlich und siegesgewiss starten wir später mit dem splintenneuen Motorflieger der MFG Mollis nach Chemnitz, wo wir in einer halben Stunde einzutreffen gedenken.

Die Decke schliesst sich…

Nach zehn Minuten wird es erst auf der linken, nach 15 Minuten auch auf der rechten Seite ungemütlich. Die Hochnebeldecke wächst immer mehr zu. Sieht man anfangs noch überall zu Boden, schliesst das weisse Tuch zuerst links, dann auch rechts über Tschechien im Lee des Erzgebirge komplett zu. Ich frage per Funk in Chemnitz, wie denn dort inzwischen das Wetter sei. ‚Visibility below 5 kilometers, no VFR-conditions…‘ ist die knappe Antwort. Hmm. Schöne Geschichte. Am einfachsten ist es, wir gehen dahin zurück, wo wir herkamen und wo das Wetter problemlos war. Also 180° wenden und wieder in Bayreuth landen. Wir sind zwar solange wie geplant geflogen, aber am Ende nicht exakt dort angekommen, wo wir hinwollten… Noch vor wenigen Stunden, beim Abflug in Mollis, war Chemnitz nebelfrei. Nächstes Mal rufe ich nochmals an.

Dann halt mit dem Mietwagen.

Na, eigentlich spielt es ja keine Rolle, ob wir ab Leipzig, Dresden, Chemnitz oder Bayreuth einen Wagen mieten und zu Beat fahren. Die sind ja überall gleich schön. Eine Stunde später sitzen wir in einem Chevrolet und düsen über die Autobahn ins Erzgebirge. Es ist definitiv gescheiter gewesen, auf der Strasse hierherzukommen. Die Suppe ist dermassen dick, dass an eine Sichtflug-Landung nicht im entferntesten zu denken gewesen wäre. Daran sollte sich in den nächsten Tagen nur gelegentlich etwas ändern und mir ab und zu beim Gedanken an den Rückflug die Betriebstemperatur leicht erhöhen.

Wellnessen bei Beat.

Vorläufig lassen wir uns aber erst einmal richtig verwöhnen und geniessen die Annehmlichkeiten unserer neuen Wohnung. Das heisst hier neudeutsch ‚Suuiiiith‘. Hat verschiedene Zimmer, einen Aufenthaltsraum und allen Komfort, den man offenbar heute so braucht. Und nebenan ist erst noch ein paar Schritte entfernt das Kurbad. Auch hier tauchen wir bei unserem Aufenthalt dann auch ausgiebig ein und auf.

Die Aussicht aus Beats Hotel, auf den Park und das Denkmal, das an der Stelle des früheren russischen Uranbergwerkes errichtet wurde. Hier ist das Uran für die erste russische Atombombe abgebaut worden. Mit den Bewohnern Bad Schlemas sind die ‚Besatzer‘ offenbar nicht besonders freundlich umgegangen.

Wie die Könige werden wir von Beat und seinem Team verwöhnt. Abgenommen haben wir dank der feinen Verpflegung bestimmt nicht… Und wir wissen nun sogar über die spannende und wechselvolle Geschichte Bad Schlemas Bescheid. Beat hat uns aus seinem grossen Fundus eine Menge Wissenswertes erzählt. Von den Extrazügen nach dem Ersten Weltkrieg direkt von Paris nach Bad Schlema bis zum Uranabbau der Sowjetunion unmittelbar vor den Haustüren der damaligen Bewohner für den Bau der ersten russischen Atombombe. Und von der Wieder-Auferstehung des Ortes mit dem Bau des Kurbades, das offenbar auch von den Bewohnern in der ganzen Gegend sehr geschätzt wird.

Die Frauenkirche von Dresden.

Die wunderbar restaurierte / neu aufgebaute Dresdner Frauenkirche. Da oben auf dem Spitz sind wir gewesen…

Bei eisigen Temperaturen knapp über Null Grad und einem bissigen Nordost besuchen wir dann einen Tag lang die Sehenswürdigkeiten Dresdens. Dazu reicht ein Tag natürlich bei weitem nicht aus – d.h., wir kommen hier sicher nochmals her, um die wieder aufgebaute Stadt und ihre zahlreichen Sehenswürdigkeiten etwas genauer ansehen zu können.

Besonders in Erinnerung bleiben wird uns bis dahin der Tiefblick von der Spitze der Frauenkirche auf das Elbtal und das Schloss Dresdens. Das Barock-Innenleben der Kirche ist allerdings ebenso beeindruckend.

Tiefdruck.

Etwas schwieriger und weniger entspannt gestaltet sich dann die Rückreise. Der Nebel hält sich hartnäckig. Überlagert obendrauf von einer Kaltfront, die aus Nordwesten alle für mich erreichbaren Höhenbänder in Wolken taucht. Es wird schwierig werden, aus Bayreuth wegzukommen, noch etwas schwieriger, die Höhenzüge des Allgäus bei Leutkirch sauber überqueren zu können und vermutlich wieder etwas einfacher, die Ostschweiz durch das Rheintal queren zu können und in Mollis zu landen. Soviel lässt sich aus den Wetterkarten schon aus weiter Ferne diagnostizieren.

Da unsere Sarah am Tag der Rückreise ihren 20. Geburtstag feiert und sie unbedingt zuhause bei ihren FreundInnen feiern will, beschliessen wir deshalb, dass die ganze Familie bis auf den fliegenden Chauffeur mit dem Mietwagen nach Hause fährt und dieser hier bessere Zeiten (Wetter) abwartet. So kann sie ihren unverschiebbaren Termin wahrnehmen und ich habe keinen Stress, auch fliegen zu müssen, wenn das wegen schlechter Sicht usw. gar nicht mehr geht.

Das rettende PC-Met.

Während meine Familie also über Bayerns Autobahnen gen Süden reist, mache ich es mir im Büro des Flugleiters bequem. Konsultiere immer wieder die Wetterkarten, halte die Nase aus der Bürotür, um frühzeitig eine mögliche Startgelegenheit zu erkennen. Die Wolken stehen wirklich sehr tief. Keine 300 Fuss über dem Boden zieht die feuchte Brühe Richtung Tschechien. Und es kommt immer mehr davon daher. Derweil startet eine Piper Malibu aus Schweden auf ihrer Reise nach Kroatioen und steckt schon Sekunden nach dem Abheben in den Wolken. Das sind jene Momente, in denen ich die IFR-Flieger bis in die Haarwurzeln beneide…

Petrus hat dann aber doch etwas Erbarmen mit mir und schickt ein paar Stunden lang etwas weniger feuchte Luftmassen aus Nordwesen an die Alpen. Das sagt wenigstens der Deutsche Wetterdienst mit seiner hervorragenden GAFOR-Wetterprognose. Die grafisch sauber aufbereiteten Wetterkarten zeigen ein kleines fliegbares Fenster kurz nach dem Mittag genau in jener Richtung, in die ich fliegen möchte.

Doch noch fliegen – und leichter Stress mit dem Zoll.

Um jede Gelegenheit zu nutzen, in Bayreuth doch noch heute wegzukommen und nicht tagelang auf mögliche fliegbare Wetterfenster in einem Hotel warten zu müssen, tanke ich die Trinidad zusätzlich auf. Damit verfüge ich über ausreichend Reserven, falls ich am Ende anderso als geplant landen müsste.

Wie vom Deutschen Wetterdienst vorhergesagt, hebt sich über Mittag die Wolkenbasis soweit an, dass ich nach Sichtflugregeln starten kann. Etwas Stress verursacht nur noch die Verzollerei. Ich kann in Mollis über Mittag niemanden erreichen, um die Zollbehörden allenfalls bei der Landung aufzubieten. Im Moment scheint mir dieser Plan sowieso noch etwas theoretisch, das Wetter ist absolut grenzwertig. Noch kurz vor dem Start erreiche ich am Handy aber in letzter Minute noch die zuständige Person. Einem direkten und zollkonformen Einflug in Mollis steht deshalb nichts mehr im Wege.

Wie in einer Glocke.

Der Flug selber verläuft dann einfacher, als ich befürchtet habe. Die Wolkenbasis ist zwar grenzwertig tief, die Temperatur nahe bei Vereisung, die Sicht schlecht – aber es reicht. Ich sehe immer mindestens fünf Kilometer weit. Meistens etwa 10 km. Aber nicht weiter. Und ich muss höllisch aufpassen, nicht in Wolken zu geraten und die Sicht zu verlieren. So ist der höchste erreichte Punkt auf diesem Flug gerade mal 2’800 Fuss. Nicht schön. Aber zweckmässig. In Leutkirch ist dieser Punkt. Dort habe ich ein paar Minuten lang den Eindruck, ich flöge durch statt über die Bauernhöfe in der Nähe des dortigen Flugplatzes.

Fliegen in der ‚Glocke‘. Etwa so präsentiert sich der höchste Punkt der Rückreise im Raum Leutkirch und später auf der Nordseite des Bodensees (hier Lindau).

GPS sei Dank.

Was bei diesem Flug wirklich geholfen hat, ist mein GPS-System auf dem PDA. Der senkt die Arbeitslast auf den Piloten spürbar. Man weiss immer exakt, wo man ist. Kann mögliche Konflikte mit kontrollierten Lufträumen frühzeitig verhindern, bzw. liefert gleich die Funkfrequenz der zuständigen Controller. Und sollte man sich trotzdem einmal verfranseln, ist der Weg zum nächstgelegenen Flugplatz auf Knopfdruck auffindbar.

Nach Leutkirch sinkt das Gelände spürbar ab, von da an ist der Flug überhaupt kein Problem mehr. Durch’s Rheintal und das Walenseegebiet wird die Sicht teilweise zwar schlechter, aber nie problematisch. Ich lande am frühen Nachmittag etwas später als in Mollis. Wegen der knappen Sichtweiten bin ich mit 55% Motorleistung geflogen. Damit ist man etwa zehn Knoten langsamer unterwegs, hat aber mehr Entscheidungszeit, wenn man einem Hügelzug ausweichen oder unter einer tief hängenden Wolke einen Weg auf Kurs finden muss.

Ich bin von meiner Familie in Mollis, die zum Zeitpunkt meiner Landung gerade Bregenz passiert. Und vom Zoll ist auch heute wieder keine Seele zu sehen. Ist mir aber auch recht. Es wäre ja auch nichts Verzollbares da gewesen.Jedenfalls kommen wir damit alle problemloser als erwartet und erst noch rechtzeitig nach Hause. Danach ist für mehrere Tage an Sichtflüge zwischen Bayreuth und der Ostschweiz nicht zu denken. Das Wetter ist dafür einfach zu schlecht. Das behelligt dann aber weder uns im Büro an der Arbeit noch die im Hangar im Trockenen stehende Trinidad.

Motorflieger-Ferien an der Atlantikküste Frankreichs.

Die Pointe du Hoc – einer der am härtesten umkämpften Orte während der allierten Invasion der Normandie. Genau hier sind am Tag der Landung am Horizont über 5’000 Schiffe unvermittelt aus dem Morgennebel aufgetaucht.

Foto-Galerie.

Alles online.

Juli 2008. Den Motorflieger habe ich vorsichtshalber ab Dienstag für die ganze Woche reserviert. Abzuliefern ist er am Samstag. Dazwischen sollte eine gemütliche Familien-Motorflugreise an die Atlantikküste liegen – mitten ins Hochdruckgebiet hinein.

Im Internet findet ich bei ‚chambres d’hôtes de charme‚ nicht nur ein gleichzeitig freies wie flottes Hotel, sondern gleich ein kleines Schloss in der Normandie – und das am Vortag des geplanten Abfluges.

Flugplan, Zoll-Anmeldung, Flight-Log usw. benötigen zwar etwas Zeit, dafür starten wir am Dienstag bestens vorbereitet zum 3 1/2-Stunden-Flug nach Caen an der Kanalküste. Vom Zoll kam wieder mal niemand vorbei. Mit von der Partie sind dafür Deborah und Brigitte. Unsere Kleinste macht es sich in ‚der zweiten Reihe‘ mit Kissen und Wolldecke gemütlich, Brigitte hilft beim Navigieren. Das war schon schwieriger als heute – besser könnte die Sicht am wolkenlosen Himmel (und das zwischen Mollis und dem Kanal) gar nicht sein.

Ereignisloser Flug.

Der Flug führt westlich der CTR Zürich vorbei nach Basel. Von da aus über endlos scheinende Flach-Land-Schaften… ja, jetzt wissen auch wir, warum Frankreich ein Landwirtschafts-Land ist… südlich am Pariser Luftraum-Puzzle vorbei. Die Kathedrale von Chartres ist heute ebenso leicht zu erkennen wie die Schloss-Anlagen von Versailles. Über der Hauptstand der ‚Grande Nation‘ ist der Luftraum dicht mit Schwermetall gefüllt. Aus 30 km Distanz können wir schön zusehen, wie die Airliner im Minutentakt in die Luft gespickt werden. Bis auf das Umfliegen eines kleinen militärisch genutzten Luftraumes funktioniert alles ereignislos. Nach etwas mehr als drei Stunden nehme ich nach dem Flug über die ‚Ile de France‘ die Anflugkarten von Caen zur Hand. Der Controller beharrt anfangs in vertraut französischer Sturheit darauf, dass ich trotz Aktualisierung vor 24 Stunden alte Anflugkarten auf meinem Knie hätte. Der Fall lässt sich dann am Boden berichtigen, nachdem ich am Funk ebenfalls etwas renitent darauf beharre, erstens das richtige, aktuelle Kartenmaterial zu verwenden und zweitens solche Diskussionen grundsätzlich nicht im Landeanflug zu führen gedenke. Alles eine Frage des Selbstvertrauens! Letztlich stellt sich heraus, dass die französischen Behörden die letzten Änderungen vor drei Monaten offenbar noch nicht überall hin weitergeleitet haben. So ein Stressaberauchdendiehaben. Jedenfalls nicht zu Jeppesen, die weltweit das Kartenmaterial vertreiben. Am Ende finden auch wir in der etwas unübersichtlich grossen Parkplatzwiese ein gutes Plätzchen für den HB-KFM. Wir sind die einzigen Kleinflieger auf dem riesigen Gelände.

Auch George W. Bush war hier.

Die Nähe unseres Zielflugplatzes zu den geschichtsträchtigen Landungsstränden der Alliierten bei der Invasion Europas macht sich schon im C-Büro von Caen bemerkbar. Airforce One mit Mr. President war auch schon hier. Vermutlich am kürzlich gewesenen Jubiläum der Invasion.

Schneewittchensarg.

Wir holen mit dem Taxi unseren reservierten Schneewitchensarg in der Stadt bei der Autovermietung ab. So hiess früher ein bestimmtes Volvo-Modell mit viel Glas am Heck, das in einem James-Bond-Streifen berühmt wurde. Die aktuelle Version des Fahrzeuges ist zwar ebenso elegant wie das Original, aber praktisch ohne Kofferraum. Jedenfalls haben wir Mühe, unsere wenigen Koffer ins Wägelchen zu packen. Es geht eigentlich nur, wenn man die Kofferraum-Abdeckung komplett demoliert, achnein, demontiert.

Tschagguhsi.

Wir fahren gemütlich an der Peripherie von Caen vorbei Richtung Kanalküste zu unserem Schlössli. Das übertrifft dann unsere Erwartungen erheblich. Ein freundliches Eigentümer-Ehepaar, ein auf Pferdesport spezialisierter Journalist mitsamt einem gepflegten Anwesen warten auf uns. Dazu gehört auch ein Jaccuzi. An dem hat besonders Deborah ihre Freude. Wir bringen sie kaum mehr aus dem Sprudelbad heraus, wenn sie mal drin ist. Was jeden Abend passiert. Am Ende verlängern wir unseren Aufenthalt um einen Tag. Und eigentlich würden wir gern wieder mal dorthin reisen – es ist einfach etwas weit, wenn man nicht fliegen kann.

In Reih und Glied.

Während der drei Tage in der Normandie schauen wir uns in aller Ruhe den östlichen Teil der alliierten Landungsstrände, die riesigen Soldatenfriedhöfe und Schlachten-Gedenkstätten an. Es ist unglaublich eindrücklich. Der Strom der Besucher aus aller Welt scheint denn auch nie zu versiegen. Überall treffen wir auf (meist englisch-sprechende) Reisegesellschaften, Schulklassen und viele Urgrossväter mitsamt zwei Folge-Generationen ihrer Familie im Schlepptau, die den Ort ihrer schlimmsten Kriegserlebnisse nochmals anschauen wollen. Zu den speziell eindrücklichen Orten gehört der US-Soldatenfriedhof. Soweit das Auge reicht, reihen sich weisse Kreuze, fein säuberlich aufgereiht, kein Rasenhalb ist zu hoch, alles ist bestens gepflegt. Tausende von US-Soldaten-Namen stehen auf diesen weissen Kreuzen. Sie alle haben für ein freies Europa den höchstmöglichen Preis bezahlt. In den Hotels und Restaurants der Gegend werden wir den Eindruck nicht los, dass dieser Teil Frankreichs noch heute den GI speziell dankbar ist.

Holpriges Rückseitenwetter.

Wir fliegen nach diesem geschichtlichen Vollbad zwei Tage später weiter. Diesmal geht’s von Caen aus der Kanalküste entlang bis nach Sainte-Mère-Eglise. Das ist jene Ortschaft, an deren Kirchturm ein GI als einziger seiner Kompanie die Landung überlebt hat. Zwar stocktaub, weil er stundenlang zwei Meter neben den ständig Alarm-läutenden Kirchenglocken an seinem Fallschirm gehangen hat – aber er hat die heftige deutsche Gegenwehr überlebt, weil er sich dort oben tot gestellt hatte.

Weiter führt der Flug zum Mont-Saint-Michel. Der Felsendom steht heute nicht mehr im Meer, sondern hauptsächlich im Marschland, aber trotzdem nur über eine schmale Zufahrtsstrasse erschlossen. Der Überflug ist verboten, daran halten wir uns selbstverständlich. Die starke Rückseiten-Thermik schüttelt uns heftig durch. Brigitte wird zusehends bleicher, hält aber feste durch.

Zum Glück ist es nicht mehr weit bis nach Quiberon, der wunderschönen Segler- und Fischer-Halbinsel im Atlantik. Die ist heute unser Ziel. Das ist ein netter (kurzer) Flugplatz unmittelbar am Meer. Man soll sogar direkt zu Fuss von dort aus ins nahe Hotel spazieren können, so dicht sei hier alles beisammen.

Wieder auf dem Lande.

Die Funkerei und der Anflug gestalten sich, verglichen mit dem Süden von Paris, vergleichsweise einfach. Auch Parkplatz ist ausreichend vorhanden. Das ist offenbar nicht immer so, an bestimmten Weekends soll hier alles bis auf den letzten Platz gefüllt sein. Paris ist ja nicht allzuweit. Und der eine oder andere reiche Franzose leistet sich bestimmt den Spass, in der eigenen Maschine hierher zu fliegen.

Hotel Europa.

Wir verbringen in einem modernen Hotel direkt am Meer ein paar herrliche Ferientage. Deborah findet das Hotel noch heute das beste von allen. Mir bleibt vor allem mein erster verspiesener Hummer in Erinnerung. Bewaffnet mit allerhand Spezialwerkzeug, arbeitet man sich da während längerer Zeit durch die essbaren Teile des Krustentieres hindurch. Satt wird man davon am Ende vor allem deswegen, weil der Magen genügend Zeit hat, sich voll zu fühlen. Wir verbringen die Zeit mit gemütlichen Ausflügen in die kleine Stadt, mit Spaziergängen am Ufer, an dem bei Ebbe allerhand interessantes Getier freigespült wird.

Rückflug durch die Front.

Am Samstag machen wir uns beizeiten auf den Weg nach Hause. Da ich nicht gleichzeitig mit der gestern hier durchgezogenen Regenfront über dem Jura ankommen will, starten wir schon um 09.00 Uhr LT Richtung Osten. Der Turm ist noch nicht besetzt. Also hinterlasse ich an der Glastür eine Notiz mit meiner Adresse – und den Hinweis, dass ich die Landetaxe mangels anderer Möglichkeiten aus der Ferne bezahlen werde. Geplant ist das Unterfliegen der Regenfront über dem Flachland, eine zolltechnische (also sinnlose) Zwischenlandung in Nevers und der umgehende Wiederstart für den Flug direkt nach Mollis.

Tief. Tiefer. 500 ft AGL.

Anfangs steige ich über die Wolken. Auf 7’500 Fuss gleiten wir elegant über die Tops der Rückseite der Regenfront. Irgendwann geht’s dann definitiv nicht mehr höher. Dem vollgetankten und -beladenen HB-KFM geht die Puste aus. Dann machen wir halt einfach das Gegenteil. Auf etwa 50 km wolkenloser Strecke sinke ich zügig bei maximalem Speed bis auf 1’000 Fuss hinunter und unterquere im strömenden Regen über bzw. entlang der Loire die Front. Bis auf eine konzentrierte Ladung Wasser auf der Frontscheibe geht alles ohne Probleme, die Sicht ist immer mehr als ausreichend. Man muss sich einfach an die tiefen Flughöhen gewöhnen können. Dafür hat man einen ausgezeichneten Blick auf die Atomanlagen hier…

Sicht auf den ganzen Alpenbogen.

Nevers erreichen wir pünktlich. Die Zollandung ist völlig sinnfrei. Kein Mensch will uns hier sehen, schon gar nicht der viellicht vorhandene Zöllner. Der hat heute Samstag sowieso Gescheiteres zu tun. Als zahlen wir die bescheidene Landetaxe und verschwinden subito wieder. Nun sind wir ja vor der Front und damit auch wieder mitten im Hockdruck-Gebiet. Entsprechend weit reicht die Sicht. Über dem Jura ist der ganze Schweizer Alpenbogen sichtbar. Eine Wucht!

Der Flug nach Mollis ist wieder absolut problemlos. Bei der Landung stellen wir fest, dass wir plötzlich am grössten europäischen Ultraleicht-Meeting teilnehmen. Mollis hat dieses Weekend etwa 400 Kleinstflugzeuge zu Besuch. Ein ziemlicher Betrieb also. Aber auch dieses Hindernis überqueren wir problemlos und versorgen das Fliegerchen unbeschadet im Hangar. Es sollte unser letzter grosser Auslandsflug mit dem HB-KFM sein. Wenige Monate später ruiniert ihn ein an grober Selbstüberschätzung leidender ‚Motor-Rad-Stuntman‘ und Hartz-IV-Empfänger mit seinem Töff, der ungebremst und unversichert, dafür voller Un-Vermögen ins Flugzeug knallt und einen späteren Flugzeug-Ersatz wegen Totalschadens nötig macht.

Die grösste Party aller Zeiten verpast.

Eine der weisesten Entscheidungen war dann ein Telefon-Anruf in unserem sturmfreien Zuhause. Unser Ältester hat die Gelegenheit benutzt, um am Freitagabend eine grosse Party anzusagen. Entsprechend zugerichtet muss unser Häuschen am Tag danach sein. Wir bekommen davon dank des Telefon-Anrufes und der damit zusätzlich gewonnen Zeit, um das Gröbste aufzuräumen, glücklicherweise nur Fragmente mit. Zum Beispiel finde ich noch Tage später irgendwo auf dem Grundstück Kleidungsstücke. Oder wir haben tagelang Mühe, das Wasser im Pool mit Einsatz aller vorhandenen Chemie wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Oder unsere Nachbarn (300 Meter entfernt) sprechen uns darauf an, dass letzte Nacht die Musik bis zu ihnen gehämmert habe…

Man muss nicht alles wissen. Unser Junior macht sich am Tag danach jedenfalls mit allerhand Blumensträussen zu den Nachbarinnen auf, um sich für den Trubel der letzten Nacht zu entschuldigen. Die TeilnehmerInnen der Party sprechen noch Monate später vom tollsten Anlass aller Zeiten. Muss ja gewaltig gewesen sein.

Wie auch immer – wir gehen trotzdem mal wieder auf eine Flugreise.
Auch das war ein toller und unvergesslicher Event.

Gletscherfliegen mit Kopfstand im Mönchsjoch.

Beim Aufräumen meiner Videothek habe ich einen aus 1993 stammenden SVHS-Film entdeckt, er zeigt die letzte grosse fliegerische Freiheit – das Gletscherfliegen. 

Flug ab Mollis mit dem Super-Cub HB-OLX in den ersten Januartagen des Jahres 1993 auf die Gebirgslandeplätze am Sustenhorn, auf das ‚Ewig Schneefeld‘ am Mönchsjoch und den ‚Gratis-Peter‘ (Petersgrat) zwischen Lötschental und dem Kanderfirn.


Hier geht’s direkt zum Gletscherflieger-Video.

Speziell ist mir an diesem unvergesslichen Flug frühmorgens eine Landung am obersten Ende des ‚Ewig Schneefeld‘ – einem der einsameren, auf der Südseite des Berner Oberländer Mönchs-Gipfels gelegenen Gletscher der Alpen – in Erinnerung geblieben. Beim Wenden nach der Landung zum Neustart den steilen Hang hinunter bin ich im metertiefen Pulverschnee etwas überraschend in einer dicken Schnee-Wächte steckengeblieben.

‚Si zwee Fründe imne Schportflugzüüg en Alpeflug go mache…
flüge ufe zu den Alpä …‘

Fast wie im Lied von Mani Matter hat der Propeller im luftigen Champaign-Powder einen Mords-Staub aufgewirbelt und beim Versuch, mit dosiertem Gasgeben das Flugzeug zu befreien, hat’s mir das Fliegerchen sanft und in Zeitlupe gleich ganz auf den Propeller gestülpt. Dann war nur noch absolute Stille zu hören. Dieses wurde in der kommenden halben Stunde nur vom Pfeifen meiner Lunge (wie eine löchrige Luftmatratze, wenn der Inhalt entweicht) gestört.

Die folgende Befreiungs-Schaufel-Aktion hat mich auf 3’500 Meter in der spürbar dünnen Luft nämlich gehörig ins Keuchen und Schwitzen gebracht. Die Lungenflügel habe ich glaubs am Abend noch gespürt. Den ersten Start habe ich in der Folge alleine und ohne den filmenden Passagier Fredi Frutig machen müssen, um sicher wegzukommen und weiter unten in flacherem Gelände erneut eine Landung zu versuchen, um meinen vereinsamten Passagier wieder an Bord nehmen zu können.

Schwimmen im bodenlosen Pulver.

Er muss sich ein paar Minuten lang etwa 30 km von der nächsten bewohnten Siedlung entfernt in der absoluten Stille eines Januarmorgens auf diesem wirklich abgelegenen Schneefeld etwas einsam vorgekommen sein. Zur Belohnung musste er dann auch noch ein paar Hundert Meter durch den Pulverschnee hinunter ’schwimmen‘. Die Kamera hat er dabei wie ein flüchtiger Vietkong beim Durchqueren eines Flusses immer ein gutes Stück über den Kopf gehalten, damit sie ja keinen Pulverschnee in die Optik erwischt 🙂

Herrliche Erinnerungen, festgehalten auf Super-VHS von meinem Fluggast Fredi Frutig aus Winterthur.