Archiv der Kategorie: Skitouren

Diesmal ohne Flügel.

Samstag, 15. Februar 2014:
Skitour im Föhnsturm

Während der Diensttage in der Schweizer Armee hätten wir einen Vorgesetzten mindestens bis an den Eingang des Pfefferlandes verwünscht, hätte er verlangt, bei Windgeschwindigkeiten um die 100 km/h in der Region Disentis auf einen der windumtosten Gipfel zu marschieren. Die Fernsicht kann’s diesmal auch nicht gewesen sein, die uns am Wochenende vom 15. und 16. Februar zu unserem traditionellen Segelflieger-Skitouren-Weekend aufbrechen liess. Vielmehr ist es das Vergnügen, ein gemütlich-sportliches Bergerlebnis-Wochenende weitab von allen Sörgeli des Alltags und unter Freunden zu erleben, das uns ungeachtet der stürmischen äusseren Bedingungen in der Surselva die Felle auf die Tourenski kleben lässt. Und überhaupt: es ist alles letztlich nur eine Frage der Kleider.

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Frigg hat am ersten Tag (damögemerjanuch) eine Not-Tour ausgeknobelt, die vom Oberalp-Pass auf den Pazzolastock hinauf führt. Der ist nicht zu verwechseln mit dem Piz Pazzola. Auf den sind wir letztes Jahr ufägschtägeret – allerdings bei traumhaftesten Pulverschnee-Bedingungen und eisiger Kälte. Bis zum Oberalp-Pass geht auch diesmal alles sehr gut. Da fährt ja das rote Bahndli hinauf. Danach strebt unser Tourenguide Frigg Hauser im strammen Bergführer-Schritt zackig die ersten Steilhänge hinauf. Im Gegensatz zum letzten Jahr bin ich diesmal konditionell spürbar schlechter vorbereitet. Der Ernährungsplan war schon feiner abgestimmt. Das Kampfgewicht schon geringer. Die Trainings-Skitouren schon zahlreicher. Aber der Fliegerarzt meint jeweils bei meinem Besuch vor Weihnachten, ein paarmal im Jahr die Herzkranz-Gefässe mit Druck richtig durchzuspülen, könne nicht schaden. Hmh, ich bin mir nicht sicher, ob er das hier damit meint. Es rauscht nicht nur der Föhnsturm durch die Alpentäler, auch das Blut rauscht mit hoher Taktrate durch die Adern. Die gute Nachricht ist allerdings, dass man so wenigstens rasch an Höhe gewinnt. Auf der ersten Kante, die wir queren müssen und die voll im Südwind steht, verschlägt mir der Sturm fast den Atem. Aber auch das hat seine guten Seiten. Man verschwitzt die Skitouren-Kleider weniger und gelangt so staubtrocken auf den Gipfel. Wo man sich dann auch nicht umziehen muss. Auf die Idee käme allerdings bei dem Wind wirklich niemand.

Alles auf die Knie.
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Denn ganz oben, wo die letzte Schneekuppe übergangslos in den Himmel wechselt, versammeln wir uns dann wie die Gläubigen vor der Kaaba in Mekka und sinken kollektiv auf die Knie. Mit dem Gesicht nach Norden. Nicht, weil wir nun alle plötzlich ergriffen zum Islam konvertieren, sondern weil der Wind auch den Stämmigsten unter uns sonst einfach umwirft. Auch das Abnehmen der Klebfelle von den Tourenski ist gemeinsam am besten zu bewältigen. Jedenfalls fleugt es keines auf und davon. Was ja auf einer Skitour noch nützlich ist.

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Im Tal westlich von uns können wir zwischen den dahinrauschenden Wolkenfetzen gelegentlich Andermatt mit Sami Sawiris neuem Luxushotel erkennen, bevor wir nach kurzer Pause in die Abfahrt wechseln. Das traditionelle Gipfel-Fleischkäsli sparen wir uns für später auf. Das ist ja keine Esserei bei dem Wind. Die Abfahrt durch die wechselhaften Schneebedingungen gehen wir vorsichtig an, sie wird nur von wenigen Stürzen unterbrochen, die dank wochenlanger konsequenter Gymnastik-Vorbereitung problemlos weggesteckt werden. Auch die randvoll mit Schnee gefüllten Skibrillen und die eiskalten Wassertropfen, die ihren Weg vom Jackenkragen ganz langsam abwärts in die warmen Unterzieher finden, werden ebenso überschätzt wie die manchmal kurzzeitig auftretenden Krämpfe in beiden Oberschenkeln. Die machen schiints dem Fahrer besonders beim Kurzschwingen viel Freude. Für das Delikatess-Fleischkäsli hat es dann weiter unten an den windabgewandteren Abfahrts-Partien noch problemlos gereicht. Manche von uns zeigen beim Picknick im Schnee richtig ‚Stil im Gebirge‘ und präsentieren stolz ein Eierplättli mit Aufschnitt. Coop bietet das heutzutage für Tourengänger gleich mit einem Doppel-Klebeband-Set an, damit auch bei solchen Bedingungen nix davonfliegt.

Schnee-Affen-Nachmittag
Rechtzeitig kehren wir mit dem roten Bahndli via Tschamutt zurück nach Disentis, wo uns ein perfekt getimter (aber etwas bärbeissiger) Busfahrer am Bahnhof abholt und in die Reichweite von Bier und Outdoor-Pool – also mitten in die Zivilisation – zurückfährt. Er wird morgen eine grosse Rolle spielen. Dabei finden wir heraus, das Geld doch glücklich(er) machen und ein freundliches Gesicht hervor zu zaubern vermag, wo man es kaum erwarten würde.

Schneeaffen

Wie schon letztes Jahr lassen wir im Pool die Muskeln locker hängen und genehmigen uns das lang ersehnte kühle Blonde. Das ist dann auch das einzige, das uns äusserlich von den japanischen Schnee-Affen auf Hokkaido unterscheidet, die amigs bis zu den Nasenlöchern im warmen Thermalwasser hocken, bis ihnen der Dampf die pelzige Kopfhaut (jädiähättemeraunuchgerä) zu bizarren Eisgebilden gefrieren lässt.

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Sonntag, 16. Februar 2014:
Auch im Schneegestöber ist eine tolle Skitour möglich.

P1030622Am Sonntag finden wir eine gänzlich andere Wettersituation als noch am Vortag vor. Rechtzeitig nach dem Frühstück beginnt es, dicht zu schneien. Der     Kirchturm von Disentis verschwindet zusehends im Schneegestöber. Bis auf den Fahrer unseres Hotelbuses stört das aber niemanden. Schliesslich gibt es kein schlechtes Wetter – nur schlechte Kleider. Erst die kollektive Beteuerung, bei der auf der Fahrt zu unserem Startort Surrein bestimmt unvermeidlichen Schneeketten-Montage zu helfen, kombiniert mit einer kleineren, aber wichtigen Fundraising-Kampagne im Bus können den leicht erbosten Mann beruhigen und bewegen ihn wieder hinters Steuer seines Kleinbusses.

Schlittelpartie im Bus.
Wie erwartet, bleiben wir auf der Anfahrt in den kleinen Weiler Surrein bei Sedrun mit dem voll besetzten Hotelbus im Aufstieg stecken. Frigg krempelt die Ärmel nach hinten und hilft bei der Ketten-Montage, während wir wie am Sonntag in der Kirche den Sammeltopf kreisen lassen. Sein Inhalt sichert am Ende auch eine komfortable Rückfahrt nach der Tour. Der beste Hotelbusfahrer aller Zeiten holt uns pünktlich ‚on demand‘ wieder ab.

Für die im Bus liegen gelassenen Skistöcke unseres Team-Seniors können wir nach etwas Suchen in einem der Häuser des kleinen Weilers notfallmässig noch einen Ersatz auftreiben, damit ist auch Beats Aufstieg für heute in trockenen Tüchern.

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Durch den Wald.
Das heutige Schneegestöber zwingt uns erneut auf eine Not-Tour. Was nicht heisst, dass das keinen Spass macht. Möglichst durch den Wald (da sieht man bei diesem bedecktem Himmel am meisten Konturen) tappen wir gemütlich und unter gesetzeskonformer Umgehung der auch hier im Land der tapferen Wolfs– und Problem-Bären-Jäger ins Kraut schiessenden Wildruhezonen in die Höhe. Diesmal bleibt der Tourenzähler bei mir im Gegensatz zu gestern weit ausserhalb des roten Bereiches stecken, obwohl ich beim Aufstieg durch den elend steilen Wald wie blöd schwitze. Ohne Krämpfe, Muskelkater und Dergleichen komme ich aber gut über die Runden. Genug Training wäre wohl auch hier das Erfolgsrezept gewesen.

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Nach der eindrücklichen und bei uns immer wieder unverzichtbaren Spitzkehren-Demo von Frigg und erst auf dem letzten Sattel vor dem tief im Nebel hängenden Gipfel (ich weissnümmäwelä, aber der da chännts gsi si):

karte_Maler_pizund nach öppä 900 Höhenmetern Aufstieg lassen wir’s für heute gut sein und machen uns nach einer kurzen Pause auf die stiebende Rückfahrt durch den erstaunlich lockeren und reichlichen Pulverschnee. Praktisch für alle sturzfrei (bis auf ein paar ganz heimtückische Löcher in der Abfahrt durch den Wald und auf der Zielgeraden vor dem Dörfli) erreichen wir früh am Nachmittag wieder alle unversehrt unseren Ausgangspunkt. Das kühle Bier in der Hotelbar rundet auch diese Tour auf herrliche Weise ab. Es ist aber ein Gerücht, dass Brunos schlimme Erkältung, die er gestern und heute auf die Gipfel mitgetragen hat, dadurch besser geworden sein soll.

Fazit: es ist schon erstaunlich, was man sogar bei solch garstigen Wetterbedingungen in den Bergen unternehmen kann, wenn man einen einfallsreichen Bergführer dabei hat… Und ein paar gemütliche Stunden abseits des Alltags sind einfach unbezahlbar.

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Teilnehmer:
Beat Häni, Beat Straub, Bruno & Monika Stocker, Bruno Hefti, Bruno Schmid, Peter Schmid, Martin Haller, Holger Wentscher, Frigg Hauser, Ernst Willi (Protokoll).

SchänisSoaring-Skitouren-Weekend 2013. Teil 1.

Pulverschnee bis über beide Ohren
Samstag, 9. Februar: Piz Malèr

Die Anreise ins Vorder-Rheintal nehme ich diesmal aufgrund der grossen Schneemengen, die in den letzten Tagen gefallen sind, mit etwas gemischten Gefühlen in Angriff. Draussen im Garten liegen inzwischen wieder 120 cm Schnee – für Touren abseits gesicherter Pisten eine ungemütliche Situation. Wenn wir diesmal nicht einen versierten Bergführer dabei hätten, wäre ich vermutlich lieber zuhause in der sicheren Stube geblieben. So vertraue ich aber auf die mir von früheren Tourenwochen bekannte Berufserfahrung von Frigg und seine Pulverschnee-Nase, die noch immer gefahrenfreie Schwünge ermöglicht hat, wenn sich andere längst nicht mehr vor die Türe trauen oder wenn die Verhältnisse kaum fahrbar sind.

So fährt man auch mit 65 Jahren noch rassig durch den Pulver: Frigg zeigt, wie man’s richtig macht. (Foto: Peter Schmid.)

Stormrider.
Bis auf zwei heftige Grippefälle in letzter Minute sind alle angereist. Wir sind mit zehn TeilnehmerInnen dieses Jahr eine stolze Skitouren-Gruppe. Der Samstagmorgen erwartet uns mit lockerem Schneegestöber und einer wolkenverhangenen Nordseite und etwas aufgelockerter Sicht dank des Nordwind-Lee-Effektes auf der Südseite der Surselva. Auch die Schneemengen und die Exposition der Hänge ist auf dieser Talseite idealer. Die ersten Höhenmeter gewinnen wir ganz nach dem Motto von SchänisSoaring ‚meh abäfahrä als ufälaufä‘ und ‚jakeihöchiverlüürä‘ mit einer Kraftwerk-Seilbahn. Bis dahin geht also alles bestens.

Oben pfeift uns aber schon bei der Bergstation gehörig der Wind um die Nase. Zu den ca. zehn Minus-Graden kommen noch etwa 40 km/h Nordwind dazu. Äsischsauchalt! Entsprechend ungemütlich ist der Aufstieg über einen exponierten Grat. Erst, als wir diesen weiter oben am Berg verlassen und in Muldenlagen weiter aufsteigen, kann die Anorak-Kapuze zeitweise abgelegt werden. Mein Mikroklima in den vielen Kleiderschichten schwingt wieder etwas ins Gleichgewicht zurück. Vor mir läuft Monika. Am Hinterende ihrer Skier (die kann ich bei der Gelegenheit natürlich ausführlich studieren), steht ‚Stormrider‘ geschrieben. Treffender kann an diesem Tag ein Tourenski kaum heissen…

Spitzkehren-Technik.
Frigg geht ein konstantes Tempo, die Kräfte erlauben sogar eine kleine Serie Spitzkehren ‚à la Matzlenstock‘. Holger wirbelt dabei mit seinen langen Beinen dermassen schnell um die Wenden, dass man gar nicht mehr mitbekommt, welch ausgefeilte Technik in so einer Spitzkehre stecken kann oder muss, wenn man kürzere Beine hat.

Noch mehr Skitechnik ist bei der kurzen Abfahrt vom Grat in eine windgeschützere Muldenlage gefragt. Mit mehr oder weniger Eleganz und Telemark-Technik rutschen oder fahren wir mit angeklebten Fellen einen Hang hinunter. Dabei gehen – was dem gepflegten Segelflieger in der Seele wehtut – etwa 50 Höhenmeter verloren. Dafür ist nun der Aufsteig leichter, der Wind ist weg, teilweise lässt sich inzwischen die Sonne blicken und zaubert eine herrliche Winterlandschaft hervor. Nach insgesamt etwa 2.5 Std. und etwa 1’100 Höhenmetern Aufstieg erreichen wir eine Mulde vor dem Piz Malèr, unserem heutigen Ziel.

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Frigg balanciert behende über den Gipfelgrat des Piz Malèr.
(Foto: Beat Straub)

‚Hillary-Step‘.
Dort errichten wir ein vorgeschobenes Basislager mit Frühstücksplatz. Zeit für’s obligatorische Fleisch-Chäsli. Etwas weiter oben unter dem Einstieg über den Gipfelgrat deponieren wir die Skier und Frigg motoret mit einer kleinen Gruppe Unentwegter bis zu dem Hüften im Pulverschnee steckend wie ein Raupenfahrzeug den steilen Grat hinauf. Sowas habe ich schon längere Zeit nicht mehr gemacht. An den ungehinderten Tiefblick auf alle Seiten muss ich mich erst ein paar Minuten lang gewöhnen. Es lohnt sich aber. Auf dem schmalen Gipfelgrat präsentieren sich die Surselva und die Tessiner Alpen von der schönsten Seite. Eine richtig schöne, verzuckerte Winterlandschaft!

Nach dem altersbedingt etwas gschtabigen Abstieg über den Grat machen wir uns gemeinsam mit den am ‚Frühstücksplatz‘ Wartenden auf die Abfahrt – den nächsten Höhepunkt des Tages.

Champaign Powder.

Frigg ist eine aufrecht gehende Garantie für Bergerlebnisse, die lange in Erinnerung bleiben. Er führt uns an diesem Tag, in der in der ganzen Region erhebliche Lawinengefahr herrscht, über endlose Pulverschnee-Hänge zurück ins Tal, ohne dass irgendwo in der Schneedecke ein ‚Wumpf‘ zu hören gewesen wäre. So geniessen wir den anfangs Knie-, später Oberschenkel-hohen Pulverschnee und lassen uns die Eiskristalle um die Nase stieben.

Vrille im Short-Final und ein Maxloch.

Ganz ohne Spezial-Einlagen geht es aber natürlich auch heute nicht ins Tal. Als ‚Besenwagen‘ will ich in elegantem Schwung vor versammelter Gemeinde einfahren. Gelingt selten. Auch heute natürlich nicht. Im Short-Final erwischt es mich dann aber bös. Eine tiefe Schneemulde übersehe ich komplett und bleibe darin stecken. Die Ski-Bindung findet, das sei zuviel und löst aus. Was zu einem sofortigen Überschlag und fahrwerksloser Landung auf der Nase führt. Für den Spott brauche ich danach nicht zu sorgen. Der Pulver schmilzt an der Halskrause langsam und läuft eiskalt den Rücken hinunter.

Auch Max erwischt es auf den letzten Kilometern noch gehörig. Bei der Querung eines der vielen Bachläufe und Wäldchens gerät er auf der Gegenseite einer Mulde in anfangs leichte, Sekunden später in völlig überhängende Schieflage. Der hoch liegende Schwerpunkt (Rucksack) tut seine Pflicht und stürzt ihn – in eine ca. drei Meter tiefe Geländemulde voller Pulverschnee. Übel – da braucht man fast ein Dreibein, um aus den bodenlosen Triebschnee-Ansammlungen wieder hochzukommen. Mit vereinten Kräften schaffen wir aber den Rest des Heimweges auch noch.

Japanische Schnee-Affen.

Einer der Gründe für die Wahl des Hotels ist der von der unserer verwöhnten Skitouren-Gruppe in den letzten Jahren als unverzichtbar eingestufte Outdoor-Pool (notfalls werden auch Jacuzzis goutiert). So sitzen wir nach kurzem Schönheitsschlaf später abwechslungsweise in der Sauna und lassen unsere müden Beine im warmen Poolwasser auftauen. Den Kopf soweit wie möglich in der warmen Flüssigkeit haltend, gefriert nach einer Weile der menschliche Zentralrechner und setzt Schnee und Eis an (führt zu gefrorenen Kopfhaaren, bei allen, die noch welche haben). Ein Bild für Götter. Wie die japanischen Schnee-Affen sitzen wir im warmen Pool und lassen es uns gut gehen.

Wir sind uns einig. Die Investition in einen professionellen Guide lohnt sich. Heute sind noch nicht einmal die sturmerprobten Urnerbödeler, deren Tourengruppe ebenfalls in ‚unserem‘ Hotel haust und für ihre tollen Unternehmungen bekannt ist, weit abseits der regulären Pisten unterwegs gewesen. Wir hingegen haben ein unvergesslich schönes und vor allem sicheres Pulverschnee-Erlebnis gehabt.

Ein herrliches Berg-Erlebnis geht beim gemeinsamen Käse- und Fleischfondue zu Ende. Morgen soll das Wetter nach einer eiskalten Nacht aufklaren und verspricht noch mehr alpine Abenteuer.

Technisches:

Tourenkarten vom Samstag. Piz Malèr.

SchänisSoaring-Skitouren-Weekend 2013. Teil 2.

Im Pulver-Paradies

Sonntag, 10.Februar, Piz Pazzola

In der Zeitung mit den grossen Buchstaben wird dieser Sonntag später als einer der bisher schönsten und kältesten Wintertage dieser Saison behandelt. Wir beginnen ihn mit staunendem Blick auf die stetig abwärts fallende Temperatur-Anzeige in Holgers BMW. Bei knapp 20 Grad unter Null bleibt die Anzeige stehen. Derweil sind wir ein Stück die Lukmanier-Passstrasse bis Curaglia hochgefahren und machen uns dort reisefertig. Peter ist mit der Übungsanlage nicht wirklich einverstanden. ‚What comes down, must go up‘ findet er das verkehrte Motto für unsere Unternehmungen. Er schickt sich aber ins Elend und stapft wie wir alle durch eine tief verschneite Waldlandschaft auf die ersten Alpweiden in Richtung Piz Pazzola, dem heutigen Ausflugsziel hinauf.

Blick auf Disentis und die Nordseite der Surselva (Foto: Beat Straub)

Haftfelle ohne Haftung.

Meine etwas angejahrten Haftfelle finden die tiefen Temperaturen nicht so cool und verweigern nach dem Passieren einer Schneemulde ihren Dienst. Mit etwas Klebespray und Beats Unterstützung bin ich aber wenige Minuten später wieder marschbereit. Frigg macht etwas weiter oben einen Tee-Halt (da müssen die Bündner Hotels trotz der Steigerung vom gestrigen reinen Heiss-Wasser zu einer Art warmem Hagebutten-Flauder-Wasser von heute noch etwas dran arbeiten) und wir können problemlos wieder aufschliessen, ohne wirklich ausser Atem zu geraten.

Langer Aufstieg.

Heute geht es noch etwas mehr zur Sache als gestern schon. 1’200 Höhenmeter stehen auf dem Programm. Die müssen erst mal erstiegen werden. Irgendwann wird es dabei auch in den besten Kleidern warm genug. Der Gipfelhang fordert dann meine letzten Reserven und so komme ich etwas verschwitzt auf den Piz Pazzola. Dummerweise dreht da gerade der Südwind auf. Der ist anders als man erwarten könnte, sehr kühl. Beim Kleiderwechseln in warme, trockene Ersatz-Skipullover und beim nächträglichen Demontieren der Haftfelle frieren mir fast die Fingerchen ab. So kalte Hände hatte ich schon lange nicht mehr. Auch hier helfen trockene Ersatz-Handschuhe (Füschtlig) und eine Viertelstunde später spüre ich meine Hände denn auch wieder.

=>> Bilder-Galerie.

Tolle Kulisse.

Der auffrischende Südwind treibt den Pulverschnee über die Bergkreten und sorgt für stimmungsvolle Bilder während unserer Abfahrt. Auch heute wieder schwingen wir im stiebenden Champaign-Powder über endlose Alpweiden hinunter. So ideale Bedingungen hatte ich noch selten auf einer Skitour. Normalerweise ist oben Bruchharsch, ein paar Meter oder Mulden weit Pulverschnee und je näher man ins Tal kommt, umso mehr werden Skitouren durch tiefen Pflotsch beendet. Aber diesmal nicht.

nur zwei, drei Stockstösse bis zur Hängebrücke.

Wir schwingen durch federleichten Pulver in der genau richtigen Dosis über breite Hänge talwärts. Obwohl wir heute nicht ganz alleine unterwegs sind, brauchen wir nicht über ausgefahrene Hänge zu fahren. Es hat für alle genügend Pulver da. Den krönenden Abschluss des heutigen Bergerlebnisses macht das Queren einer Schlucht vor dem Dorf mit unseren Autos über eine fast nepalesische Hängebrücke. Nach ‚zwei, drei Stockstössen‘ (500 Meter Waldlauf) und einem kleinen Einstecker von Frigg, der nicht mehr rechtzeitig bremsen kann und über eine Waldstrassen-Mauer hüpft, bzw. fällt, erreichen wir die letzten Pulverhänge vor einer Hängebrücke. Wer mag, lässt sich darauf ins Dorf schaukeln, inkl. Tiefblick in die Schlucht. Wer ganz ins Tal fahren will, den holt Frigg mit dem Alpinschule-Bus dort wieder ab, damit wir alle gemeinsam bei einem Plättli und einem Notbier (Calanda Edelbräu) den wunderschönen Tourentag stimmungsvoll ausklingen lassen können.

Diese beiden Skitouren gehören zu meinen schönsten überhaupt. Da hat einfach alles gestimmt. Vielen Dank an Frigg für die professionelle Führung und die sichere Pulverschnee-Nase. Das machemer gerä wieder emal.

Technisches:

Tourenkarten vom Sonntag. Piz Pazzola.

TeilnehmerInnen:
Monika & Bruno Stocker, Bruno & Peter Schmid, Beat Straub, Holger Wentscher, Beat Häni, Frigg Hauser (Guide), Martin Haller, Max Weber, Ernst Willi.

Tolles Skitouren-Weekend im Julier-Gebiet bei -25°

Brrrrrr – eisig kaltes Pulverschnee-
und heisses Jacuzzi-Vergnügen.

Das Skitouren-Weekend vom 11. und 12. Februar 2012 gehört zu den kältesten Tourengänger-Erlebnissen, an die ich mich überhaupt erinnern kann. Damit es in unserem zehnköpfigen Tourengänger-Grüppli aber trotzdem keine erfrorenen Glieder zu beklagen gab, hat Organisator Beat Haeni eigens einen Jacuzzi in den Pulverschnee und eine Sauna ins Hotel am Julierpass bestellt.

Sieht alpiner aus als es ist: unser Skitourengrüppli auf dem Piz Campagnung (2’820 M.ü.M.) bei eisigen Temperaturen und einem zügigen Nordost.

Spitzenmässige Unterkunft, Verpflegung – und stiebender Pulverschnee

Im engagiert geführten Hotel La Veduta direkt unter der Julier-Passhöhe waren wir zwei Tage und Nächte bestens aufgehoben. Der Rotwein-Vorrat und das Beste aus Küche und Keller wurde ordentlich dezimiert, wie sich das bei der Segelflieger-Tourengruppe gehört. Und trotzdem kam der Sport nicht zu kurz. Am Samstag meditierten wir im Gänsemarsch auf den Piz Campagnung (an der Grenze zum Engadin, nicht in Tschetschenien), am Sonntag nach einem etwa dreistündigen Aufstieg unter der Führung des Appenzeller Bergführers und -Malers Werner Steininger beinahe auf den Gipfel des Piz Scalottas. Ganz oben war zuwenig Schnee, deshalb stoppten wir unseren ungestümen Gipfelsturm unterhalb des Gipfelanstieges. (Beleidigt war deswegen niemand, die Kälte hatte sich teilweise gehörig durch die Kleidung gefressen).

Diesmal kein Rigips.

Beide Tage profitierten wir in den Abfahrten von leicht windgepresstem Pulverschnee. In den Rinnen der West- und Nordostseiten lag davon ausreichend, so dass unsere Skistars ihre harmonischen Zopfmuster in den Pulver ziehen konnten. Ein tolles Weekend!

Danke, Beat für die perfekte Organisation – es wird jedes Jahr besser und der Jahrgang 2012 wird kaum mehr zu toppen sein. Dafür sorgten auch die Wellness-Landschaft im Hotel La Veduta mit Sauna und Outdoor-Whirlpool. Was gibt es Besseres, als nach einer anstrengenden Skitour die strammen Wadeln im brühwarmen Whirlpool weichkochen zu lassen und bei langsam anfrierender Haarpracht auf dem Kopf ein Eisbier unter freiem Himmel zu geniessen?

Präsidenten-Limousine eingefroren.

Die eisigen Temperaturen sorgten erneut für kleine automobile Patzerchen. Diesmal hat es Beats Präsidenten-Limousine erwischt, deren Diesel angesichts der Eiseskälte beschlossen hat, sich in eine honigähnliche Masse zu verwandeln. Der Versuch, mit externer Stromhilfe dem Citroën wieder das Fahren beizubringen, scheiterte vorgängig kläglich am zu dünnen Überbrückungskabel, das sich gleich in qualmende und immer heisser und weicher werdende Spaghetti-Drähte verwandelte. Wieder etwas dazugelernt! Diesel-Autos brauchen grösser dimensionierte Überbrückungs-Kabel!

Die Protagonisten 2012: Beat Haeni (Organisator), Beat Straub, Max Weber, Peter Schmid, Bruno Schmid, Martin Haller, Ernst Willi (SG Lägern), Roger Dumont, Herbert Waser (Sektion Gränichen), Bruno Hefti (Sektion Glarnerland).

GliderCup-Ski-Weekend auf dem Stoos

Über das Wochenende von 14./15. Januar 2012 haben wir erneut mit mehr als 20 TeilnehmerInnen die Gastfreundschaft von Moni & Marc Angst, Brigitte Rüegg und Markus Schramm auf dem Stoos geniessen dürfen.

Die skifahrende Sektion der Segelfluggruppe Lägern wird jedes Jahr aktiver. Im Namen aller TeilnehmerInnen möchte ich mich bei den oben genannten OrganisatorInnen für das wunderbare, entspannte Ski-weekend bedanken. Da wird ja sogar das Abwaschen zum fröhlichen Erlebnis!

Der perfekte Winter: oben wunderbare Schneeverhältnisse, im Mittelland grün. 

Ein Teil der GliderCup-Skiweekend-TeilnehmerInnen vor dem tollen Panorama mit Blick vom Feldberg bis zum Chasseral: Brigitte Willi, Peter Schmid, Armin Müller, Urs Isler, Ernst Willi. Foto: Priska Wildhaber.

Perfekte Bedingungen.

Die äusseren Bedingungen waren ebenfalls perfekt. Griffige, aber harte Pisten am Fronalp- und Klingenstock, genügend Schnee, carven bis zum Abwinken, bzw. Oberschenkel-Brennen stand auf dem Programm. Aber natürlich auch ein feines Nachtessen, Hüttenzauber und eine kurze, kühle Nacht im kuscheligen Schlafsack. Gerüchteweise haben manche aus dem etwas abgelegeneren Schlafzimmer namens ‚red-light-district’ ihre Füsse allerdings erst nach dem Frühstück wieder gespürt 🙂 Die Innen-Temperatur soll sich nur unwesentlich von den 15 Minusgraden ausser-halb der Metzghütte unterschieden haben – kein Wunder, war das doch die bisher kälteste Nacht des Winters. Aber GliderCup-SkifahrerInnen sind offensichtlich hart im Nehmen.

Skitouren- und Wellness-Weekend in Vals (GR).

Unfälle und die Schweinegrippe.

Am letzten Februar-Weekend fand auch 2011 das schon traditionelle Skitouren-Weekend der SchänisSoaring-Tourengruppe statt. Auch dieses Jahr blieben die Teilnehmer nicht von dezimierenden Unglücksfällen wie gebrochenen Rippen (Zuhause im Zuzwiler Badezimmer) und der Schweinegrippe (im tiefen Aargau) verschont. Von hier aus ‚gute Besserung‘!

=>> Picasa-Foto- (Web-) Album.

Das tat aber letztlich am Genuss dieses erstmals rund um einen Thermalbad-Aufenthalt drapierten Ski-Touren-Weekends keinerlei Abbruch. Sieht man vom Muskelkater ab, der mich selber noch am Dienstag plagte, nachdem ich bei Ankunft zuhause beim Aussteigen aus meinen schönen und bequemen Opeli (daran hat es nicht gelegen), schlagartig einen ekelhaften ‚Bettpfosten‘-Wadenkrampf bekam, den ich auch nach stundenlanger Dehnerei und einem montäglichen Spaziergang rund um den Flugplatz Mollis (ganz selten, dass ich sowas freiwillig mache) kaum mehr losbrachte. Und das auch nur, damit ich es am Nachmittag auf dem Bürostuhl überhaupt ausgehalten habe.

2’800 Meter bleiben hoch.

Wie auch immer, erklommen haben wir am Samstag einen Gipfel hoch über dem Zervreilasee. Bei bester Witterung und nur geringem Wind. Geheissen hat der Hoger ‚Wissgrätli‘ und ist unscheinbare knappe 3’000 Meter hoch. Das klingt harmloser als es ist. Jedenfalls war der eine oder andere Teilnehmer ‚etwas übertrainiert‘. Für die erste Tour war’s jedenfalls etwas streng (wenigstens für mich).

Pavatex.

Wie häufig bei Skitouren, war die Tour auch diesmal erst bei Ankunft im Tal wirklich zu Ende. Der Schnee war nicht eben ‚gführig‘. Eher eine Mischung aus Pavatex mit Pulverfüllung auf einer Karton-Unterlage. Aber wir sind trotzdem alle heil nach Hause gekommen. Nicht zuletzt dank der umsichtigen Tourenleitung unseres einheimischen Skilehrers.

Keine Schlafliedli.

Einen Höhepunkt bildete der nachmittägliche Besuch der Valser Therme. Beine hochlagern. Muskeln dehnen. Wärme aufsaugen. Entspannen. Durchatmen. Und am Ende wartete erst noch ein umfangreiches Nachtessen in unserem gemütlichen Gasthof, der die vernichteten Kalorien allesamt wieder auffüllte. Vorsingen musste mir an diesem Abend niemand mehr. Selbst die Guggenmusik, welche an der Valser Fastnacht vor dem Gasthof aufspielte, konnte mich nicht mehr aus den Träumen reissen. Herrlich war’s, auch wenn am Sonntag das Wetter nicht mehr so mitspielte und mit reichlich Nebel allen die Lust selbst auf’s Pistenfahren austrieb.

Ich freue mich auf den nächsten Wadenkrampf im kommenden Winter. Aber vor allem auf die herrlichen Witze und Geschichten am Abend vor und nach der Skitour. Und jetzt wäre ich eigentlich wieder fit für’s Skitourenfahren. Naja, eigentlich auch für’s Segelfliegen. Im Tal grünen ja schon wieder die Wiesen und der Föhn ruft…

Teilnehmer: Bruno Hefti (Organisation), Roger Dumont, Markus von der Crone, Peter Schmid, Martin Haller und ich selber.